Werque
Eine Ausstellung im Rahmen der viennacontemporary
Studierende der Klasse Malerei und Animationsfilm (Judith
Eisler) präsentieren ihre Werke auf der österrechischen Kunstmesse viennacontemporary.
Das
englische Wort „werque“ ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der benutzt wird, wenn eine Leistung alle Erwartungen übertrifft.
Der Befehl „you bettah werque!“ oder nur „werque!“ wird oft verwendet, um Beifall für eine Einstellung, eine Bemühung oder
ein Ergebnis auszudrücken.
Das englische Wort „work“ (Arbeit bzw. arbeiten) ist sowohl ein Substantiv als
auch ein Verb und steht somit für beides, die Handlung und ihr Ergebnis. „Work“ ist ein Ort, wo man hingeht, etwas, das man
tut, und das dem Alltag Struktur gibt. Während Arbeit vom Markt und anderen externen Faktoren gerechtfertigt wird, kann sie
auch um ihrer selbst willen stattfinden. Die Suche nach Sinn durch Denken, Beobachten und Schaffen läßt uns erkennen, was
wir wertschätzen und was wir tun.
Beim Betrachten von Gemälden und Storyboards in der Klasse stellte sich
heraus, daß sich viele StudentInnen inhaltlich mit Aspekten von Arbeit beschäftigten. Die Unmittelbarkeit des Pinsels, geliehene
Fragmente aus dem Internet, die Möglichkeiten des Atelierraums, und die allwissende Aussicht von einem Kran, stellen alle
mögliche Zugänge zum Sehen und Tun dar.
Max Freunds Bild Brushstroke 2016, zeigt zwei übergroße
Pinsel in einem Glas mit Farbverdünner. Die Pinsel scheinen auf einer Bühne zu sein, entweder kurz vor ihrem Auftritt oder
beim Ausruhen zwischen den Akten. Obwohl nicht im Bild, entsteht die Ahnung einer Figur ausserhalb des Rahmens. Weitergedacht
zur Hand am Pinsel und zum Pinsel an der Oberfläche wird beim Betrachter die Erinnerung an körperliche Berührung hervorgerufen.
Ein riesiger mechanischer Kran erhebt sich aus einer sattgrünen Landschaft in Sophie Gogls Bild Come Up
Here-View’s Gr8!. 2016. Der Kran, beinahe so greifbar wie die Pinsel in Brushstroke, impliziert nicht, daß der
Betrachter ihn bedienen soll, sondern er verleitet dazu, seine Höhe geistig vermessen zu wollen. Der Blick wandert den Kran
hinauf in Richtung des abwesenden Kranführers, um dann von einem neuen Blickpunkt aus zurück zum Ursprung zu schweifen.
Lisa Slawitz beschäftigt sich mit dem Innenraum des Ateliers als einem Ort der Begegnung mit dem Unerwarteten.
In Wohnt Auch Hier 2, 2016, erscheinen geisterhafte blassrosa Malereien losgelöst von ihrem Rahmen. Der traditionelle
rechteckige Rahmen wird dann im Bild zitiert, als Bank, als Durchgang, als Fenster, und als von einem Fenster strömendes Lichtfeld.
Die verschiedenen Elemente beschreiben Kontemplation als vielschichtigen fließenden Prozess von Offenlegung und Verbergen.
Nana Mandl kombiniert in Come As You Are, 2016, Format und Eigenschaften eines gemalten Bildes mit
unzähligen im Internet gesammelten Bildern. Digitale Bleistifte und Pinselstriche existieren nebeneinander in einer Landschaft
voller Bilder mit Bezug zu Krieg, Liebe, Religion, und Zeichensetzung. Arbeit wird hier als persönliche Rekonstruktion und
als Kommentar zur endlosen Suche nach Sinn innerhalb eines unablässigen Stroms digitaler Überladung definiert.
Der Film mit dem Titel Werque, 2016, zeigt Animationen von verschiedenen StudentInnen, die sich mit Beziehungen
zwischen Menschen, Material, dem Mechanischen, dem Digitalen und dem Übernatürlichen befassen. Mittels digitaler sowie analoger
Techniken arbeiten Amelie Schlögelhofer, Felix Weisz, Florentin Scheicher, Marlene Heidinger, Merlin Dicke, and Shadab Shayegan,
mit Händen, Muskeln, dem Körper, dem Gehirn, dem Arbeiter und mit Automatisierung um darzustellen, was Produktion sein kann.
Kunst ist Arbeit und das Ergebnis, somit, zugleich abstrakt und real.
Werque!