Leonie Licht: In den Himmel fallen
Gastvortrag im Rahmen von „Schwerpunkt Gravitation – Lösen, Fallen und Schweben“
Leonie Licht, using a picture via WikimediaCommons
Eine Veranstaltung der Abteilungen Kulturwissenschaften und Kunsttheorie
Eine Überraschung lässt uns aus allen Wolken fallen und meistens schlagen wir am Boden der Tatsachen auf. Die Gravitation
wirkt – auch im Himmel, der wie kein anderes deutlich macht, dass Fallen ein Strukturprinzip ist. Der Himmel macht den Fall
zum physikalischen Gesetz, zur kosmologischen Annahme und zum kulturellen Deutungsmuster, worüber Leonie Licht im
Vortrag anhand von drei Beispielen nachdenken möchte: der Sündenfall, Lukrez’ Kosmos und die Kopernikanische Wende lassen
uns dreimal in den Himmel fallen und entscheiden jedes Mal neu über das Bild des Kosmos, des Menschen und seiner Stellung
darin.
Leonie Licht studierte evangelische Theologie,
Bildhauerei und Ästhetik. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Theorie und Praxis und setzt sich mit der Kulturgeschichte
des Himmels, einem interkulturellen Formendenken und dem Verhältnis von Politischer Theorie und Ästhetik auseinander. In ihrer
künstlerischen Arbeit befragt sie zudem Konzepte von Bild und Malerei und geht verschiedenen Formen der Visualisierung des
Himmels nach. Mehr dazu auf ihrer Webseite: https://leonielicht.de/
Der interdisziplinäre Fokus Schwerpunkt Gravitation – Lösen, Fallen und Schweben ist
ein Format von Florian Bettel, Liddy Scheffknecht und Anna Spohn.
Sie diskutieren gemeinsam mit Gastvortragenden die Historizität des Konzepts der Gravitation in Kunst, Technik und Wissenschaft.
Jenseits einer naiven Re-aktualisierung von „Kraft“ als konzeptuelles Fundament für eine künstlerische Praxis, eine künstlerisch-wissenschaftliche
Forschung oder für kultur- bzw. kunstwissenschaftliche Begriffsbildungen werden die Formen, Techniken, Praktiken, metaphorischen
Dynamiken und die diskursiven Rahmungen von Gravitation in Kunst, Technik und Wissenschaft kritisch-transdisziplinär befragt.