Zentrum Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht | Center for Didactics of Art
and Interdisciplinary Education
Leitung: Univ.-Prof. Mag.art. Dr.phil. Ruth Mateus-Berr"Die
Ischler Esplanade ist ein großstädtischer Boulevard, der quer durch das lieblichste Alpental läuft. Auf dieser schönen Uferstraße
am Traunstrom [...] bilden die natürlichen Reize der Berglandschaft nur den Hintergrund für ein buntes Weltstadtbild voll
fröhlichen Lebens. [...] unten aber eine geschäftig hin und her wogende Menge von Großstädtern, die plaudern und flirten,
lachen und lästern, schwatzen und schwärmen ... als wäre mitten in die feierliche Schweigsamkeit der Berge plötzlich das laute
Residenzleben mit seiner ganzen quirlenden Beweglichkeit eingebrochen." (Blumenthal 1910, 118; Quelle:
https://www.stifterhaus.at/stichwoerter/bad-ischl)
Wie würde man die quirlende Beweglichkeit auf heute übertragen werden können? Diesem Thema widmet
sich die Ausstellung DEMEDARTS. Nicht nur AM Fluss sondern IM Fluss sollen sich auch die älteren Bewohner:innen Bad Ischls
fühlen und bewegen, selbstbestimmt und geachtet, auch von den Jungen.
Wenn am Sontag 25.6. 2023 um 11 Uhr die Ausstellung
DEMEDARTS in der Galerie AM FLUSS in Bad Ischl eröffnet wird, steht unumschränkt das Thema Leben mit Demenz im Mittelpunkt.
Das Ziel des künstlerischen Forschungsprojektes, welches vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird - PEEK AR-609 - ist es,
Empathie innerhalb unserer Gesellschaft für Menschen mit Demenz zu bewirken. „Künstlerische Forschung setzt hier an und gestaltet
Kunst- und Designformate, die zum Nachdenken anregen. Die Ausstellung DEMEDARTS zeigt den Prozess der Arbeit des Forschungsteams
und auch der Studierenden, welche dieses Thema auf unterschiedlichste Art und Weise durch ihre Vermittlungskonzepte an die
Schulen gebracht haben. Und es stellt derzeit das einzige künstlerische Format weltweit dar, um dieses Thema auch mit jüngeren
Bevölkerungsgruppen zu behandeln“, erläutert Ruth Mateus-Berr, Projektleitern, selbst Künstlerin und Designerin sowie Leiterin
des Zentrums Didaktik für Kunst und interdisziplinären Unterricht an der Universität für angewandte Kunst Wien.
Gestaltung
für Rollatoren als Beispiel
Warum sollten Rollatoren nicht mit einem Zitat von Thonet, den Campana-Brüdern, einem Max
Bill oder anderen Design-Größen versehen werden? Warum sollten Rollatoren ihre Benutzer:innen nicht auch haptisch, visuell
und olfaktorisch an geliebte Hobbies erinnern? Einen Bezug zum Salzkammergut oder anderen Orten haben? „Die gezeigten Exponate
in der Ausstellung stellen Beispiele für kritisches Design dar, um den Mangel in der Gestaltung von - in diesem Fall Rollatoren
- zu demonstrieren, die von einer großen und immer größer werdenden Zielgruppe verwendet werden. So wird das Recht auf selbstbestimmte
und selbstbewusste Ästhetik eingefordert und Altern mit seinen auch lustigen, witzigen und verrückten Erscheinungen gezeigt“,
erklärt Mateus-Berr Motiv und Hintergrund. In der Schau finden sich auch interaktive Tools, die sowohl für Menschen mit und
als auch für Menschen ohne Demenz nutzbar sind.