Frederick Kiesler. Arts and Correalities
Konzept von Gerd Zillner und Wolfgang Fiel
Eintägiges
Symposium in Kooperation mit der Universität für angewandte Kunst Wien anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Friedrich
Kiesler Stiftung.
Im Laufe der 1930er-Jahre entwickelt Friedrich Kiesler (1890-1965) seine Theorie des Correalismus,
einer transdisziplinären Grundlagenforschung zum Entwurf in Architektur und Design. Sie fußt auf den damals neuesten Erkenntnissen
der Systemtheorie, der Biologie sowie der Technikwissenschaften und fordert die empirisch-wissenschaftliche Erforschung eines
ganzheitlichen, auf den Menschen bezogenen Gestaltens (Correalismus) in Verbindung mit der praktischen Erprobung
der dabei gewonnenen Erkenntnisse (Biotechnique).
Kieslers Wortschöpfung Correalismus
beinhaltet die Begriffe Co-Realismus (co-reality) und Korrelation (correlation) und meint
damit die Wechselbeziehung dreier Umgebungen: der natürlichen, der menschlichen und der technischen Umgebung. Ihren »Kern«
bildet der Mensch als Zentrum dieser Wechselbeziehungen, die Kiesler auch als aufeinander einwirkende Kräfte auffasst. 1939
veröffentlicht Kiesler den bahnbrechenden Artikel »On Correalism and Biotechnique«. In seiner Correalismus-Forschung der 1940er
und 1950er-Jahre steht danach die Kritik am »Pseudofunktionalismus« der Moderne und an der »willkürlichen Trennung der Architektur
in Kunst, Technologie und Wirtschaft« im Mittelpunkt sowie der Versuch ihrer Gesamtkunstwerkhaften (Wieder-)Vereinigung als
gleichberechtigte Disziplinen.
Mit seiner Arbeit am Laboratory for Design Correlation an der Columbia University (1937-1941)
gilt Kiesler als Pionier für die künstlerische Lehre für trans-, inter- und crossdisziplinäres Arbeiten sowie als Vorläufer
der künstlerischen Forschung.
Neben der historischen Begriffsklärung und Kontextualisierung verweist das Symposium auf
die Notwendigkeit, dem weltweit um sich greifenden neuen Pragmatismus in der Architektur mit der Forderung zu begegnen, den
Blick wieder nach vorne zu richten und neue Paradigmen zu entwickeln, die an inspirierende Vorbilder anschließen und radikale
Alternativen für die Herausforderungen der Gegenwart anbieten.
Das 20. Jahrhundert war geprägt von mutigen, aber oft
als utopisch diskreditierten Zukunftsszenarien, in denen Architekt*innen eine zentrale Rolle bei der Analyse und Gestaltung
gesellschaftlicher Transformationsprozesse reklamierten. Das unter dem Einfluss von Kybernetik und Systemtheorie entwickelte
»neue« Problembewusstsein führte zu einer paradigmatischen Ausweitung des damit verbundenen Aufgabenspektrums. Um den komplexen
Herausforderungen der Gegenwart mit nachhaltigen Konzepten für alternative »Zukünfte« begegnen zu können, gilt es bei jenen
anzuknüpfen, die paradigmatisch für eine kritisch-reflektierte Öffnung der Profession zu anderen Disziplinen standen. Neben
Friedrich Kiesler haben u. a. auch Richard Buckminster Fuller und Victor Papanek vieles von dem vorweggenommen, was heute
als cross-, trans- oder inter-disziplinäre Arbeitsweise bezeichnet wird. Kiesler, Fuller und Papanek verkörpern exemplarisch
die Synthese von Kunst, humanistischem Design und technologischer Innovation.
Alle Vorträge finden in englischer
Sprache statt.
Programm
09:30 – 10 Uhr
Get Together
10 – 10:30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Rektor Gerald Bast (Universität für angewandte Kunst Wien) und
Christoph Thun-Hohenstein
(Vorstände der Friedrich Kiesler Stiftung)
10:30 – 13 Uhr
Co-Realities: Clarification of terms
Correalism.
Articles, Manifestos, Manuscripts: Gerd Zillner (Direktor, Friedrich Kiesler Stiftung)
Correalism: Laura McGuire (University
of Hawaiʻi at Mānoa)
News from the Archive of the Visionary: The Vision Machine: Dieter Bogner, Gründungspräsident Friedrich
Kiesler Stiftung
Heretical Modernism: Frederick Kieslers Framework of a “Design Science”: Gerd Hasenhütl (Universität
für angewandte Kunst Wien)
Diskussion
13 – 14 Uhr, Mittagspause
14 – 15:30 Uhr
Correlations:
Historical context
Fuller-Kiesler-Lönberg Holm. The Structural Study connection and SHELTER Magazine, 1932: Joachim Krausse
(Berlin)
Victor Papanek and Frederick Kiesler: A Real and Imagined Relationship: Alison Clarke (Universität für angewandte
Kunst Wien)
„Menschen, Kunst und Architektur. Ein Manifest des Korrealismus“. Friedrich Kiesler‘s Response to Sigfried
Giedion and the 6th CIAM-Congress 1947: Almut Grunewald (gta Archiv, ETH Zürich)
Diskussion
15:30 – 16 Uhr,
Kaffeepause
16 – 16:15 Uhr
Präsentation: INTRA Applied Correlation Laboratory, Doris Krüger (Universität für
angewandte Kunst Wien)
16:15 – 17:45 Uhr
Archeology of the future//Prospective scenarios of the past: Activation
for the here and now, current discourse
Einführung: Wolfgang Fiel (iCP, Universität für angewandte Kunst Wien)
Homo
spatius, Barbara Imhof (LIQUIFER Systems Group)
Lucie Strecker (Künstlerin und Forscherin)
17:45 – 18 Uhr,
Pause
18 – 19 Uhr
Abschlussdiskussion (Moderation Stefan Hilpold)
Unterstützer*innen:
BMBWF Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Universität für angewandte Kunst Wien, Kulturabteilung der
Stadt Wien, BMKÖS Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport, Dorotheum, Wittmann Möbelwerkstätten