Die Abteilung Archäometrie versteht sich als
forschungsorientierte Einheit und als Teil jenes intrauniversitären Netzwerkes, das KünstlerInnen aus allen Bereichen der
Angewandten bei werkstoffspezifischen Fragestellungen zur Verfügung steht.
Die Forschungsschwerpunkte liegen auf Datierung
und Materialanalyse innerhalb des folgenden Spektrums:
Altersbestimmung (Authentizität) von Keramikobjekten bzw. Metallobjekten
mit Gusskern mittels Thermolumineszenz-Analyse, Keramik- und Metall-Archäometrie: Provenienz-Studien, historische Färbetechniken
sowie Farbstoff- und Faseranalytik.
Diese Schwerpunkte finden in zahlreichen Projekten - national und international
- ihren Niederschlag. So werden metallanalytische Erfassungen von weltweit einzigartigen Sammlungen bereits durchgeführt bzw.
in Kooperation mit dem Weltmuseum Wien und den entsprechenden ausländischen Museumsinstitutionen geplant. Beispielhaft sind
eine Sammlung von Benin-Bronzen (mit dem National Museum in Benin City) oder die vietnamesische Dong Son-Sammlung, die auch
die beiden Nationalheiligtümer Ngoc Lu I Drum und Ngoc Lu II Drum enthält (mit dem National Museum of Vietnamese History in
Hanoi).
Die Angewandte erfüllt in diesen Fällen auch eine wichtige Brückenfunktion zwischen nationalen und internationalen
Institutionen.
Wesentliche Impulse zur Weiterentwicklung der Forschungsdisziplin kommen aus einem über Jahrzehnte entwickelten
Netzwerk an international renommierten ExpertInnen und Einrichtungen. Beispielhaft sei hier die Kooperation mit Prof. Ernst
Pernicka, Universität Heidelberg, oder mit Dr. Pieter Meyers, LACMA, Los Angeles, angeführt.
Weitere erfolgreiche Partnerschaften
existieren mit dem Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI), der Cultural Heritage Agency of the Netherlands (Rijksdienst
voor het Cultureel Erfgoed, RCE) in Amsterdam, dem Naturhistorischen Museum Wien (NHM) oder der Universität für Bodenkultur
Wien (BOKU).
Diese langfristig angelegten Kooperationen ermöglichen auch den Zugang zu Top-Analysenmethoden, die
durch den angewandten-internen Gerätepark nicht abzudecken sind, und tragen dadurch wesentlich zur Lösung kulturhistorischer
Fragen bei.
Im Auftrag des RGZM Mainz und in Kooperation mit dem RCE Amsterdam wurden 2014 Untersuchungen der Farbstoffe,
Pigmente und Bemalungen an Seidenstoffen der T’ang Dynastie (618-907 AD) aus Famensi (China, Provinz Shaanxi) ausgeführt.
Künftige Arbeitsfelder der Abteilung sind:
Archäometrie-Datenbanken: aktiv integrierende und erweiternde Positionierung
zu bereits existierenden Systemen auf Open Access- bzw. Linked Data-Basis in Kooperation mit dem ÖAI und dem NHM Wien Aufbau
einer archäometrischen Dünnschliff-Referenz-Sammlung „Sammlung Dr. Sauer“ mit dem ÖAI.
Die Patina-Forschung im
Bereich Kupferwerkstoffe - Grundlage für die Patinierung der gesamten Tambour-Verblechung der Kirche am Steinhof „Otto-Wagner-Kirche“
im Jahr 2005 - wird in Kooperation mit der Abteilung Technische Chemie & Science Visualization fortgesetzt.
Laufend
finden Outdoor-Bewitterungstests der Angewandten in Europa, USA, Australien und Afrika statt, um das Korrosionsverhalten von
Kupfer- und Kupferlegierungen bzw. die Beständigkeit von Patina-Substanzen und Schutzüberzügen zu evaluieren.
Der
respektvolle Austausch der Ideenwelten von Naturwissenschaft und Kunst steht generell im Vordergrund der angebotenen Lehrveranstaltungen.
Der Beitrag der Abteilung Archäometrie in der Lehre (Vorlesungen, Seminare, Privatissima und Übungen) umfaßt künstlerisch-technische
und wissenschaftliche Themenbereiche.
Entsprechendes Fachwissen wird in Publikationen, Konferenzvorträge, Buchautorenschaften
eingebracht, Dissertationen zu Themen aus der Metall- und Keramik-Archäometrie sind in Arbeit.
Untersuchungen für Bestandsaufnahmen
im Rahmen von Semesterarbeiten, Vordiplomen und Diplomen aus der Studienrichtung Konservierung und Restaurierung werden laufend
durchgeführt.
Im Vordergrund stehen Befundungen mittels OLM (Optische Lichtmikroskopie) und Rasterelektronenmikroskopie
(REM-ED-Röntgenmikroanalyse). Darüber hinaus werden XRD-Analysen über ein Lektorat (TU Wien) ermöglicht.
Die daraus gewonnen
Kenntnisse und Resultate fließen in die angebotenen Lehrveranstaltungen ein, welche von Studierenden aller Studienrichtungen
besucht werden.
Mit der Gastprofessur von emer. Prof. Dr. Gerhard Banik, Gründer des Studienganges Restaurierung
und Konservierung von Grafik, Archiv- und Bibliotheksgut an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, den er
bis 2008 leitete, wurden zusätzliche Lehr- und Forschungsgebiete auf dem Gebiet der Erhaltung von Kulturgut auf Papier, Karton
und Pergament erschlossen. Seither wurden Kooperationen mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in
Hildesheim, dem Christian-Doppler Labor für moderne Cellulosechemie und -analytik an der Universität für Bodenkultur, Wien
(BOKU) und dem Institut du patrimoine (INP) in Paris aufgebaut. Die konservierungswissenschaftlichen Forschungsaktivitäten
von Prof. Banik umfassen im Wesentlichen die Fortsetzung seiner Arbeiten zur Entwicklung und Optimierung neuer und validierter
restauratorischer Behandlungstechniken.
Für die Optimierung der Lehre ist das Lehrbuch
Lösungsmittel
in der Restaurierung (G. Banik und G. Krist, Hrsg.) den Studierenden der Angewandten mit Beginn des WS 2015/16 kostenfrei
online zur Verfügung gestellt.
2011 wurde mit
Paper
and Water – A Guide for Conservators, gemeinsam mit Irene Brückle, zunächst in Englisch, ein umfassendes Lehrbuch der
materialwissenschaftlichen Grundlagen der Papierrestaurierung publiziert.
Die englische Ausgabe des Lehrbuchs wurde
2013 vom American Institute for Conservation (AIC) mit dem Preis „Beste Publikation des Jahres auf dem Gebiet der Konservierung/Restaurierung“
ausgezeichnet.
2015 ist das Lehrbuch unter dem Titel:
Papier
und Wasser: Ein Lehrbuch für Restauratoren, Konservierungswissenschaftler und Papiermacher in einer erweiterten Bearbeitung
auch in deutscher Sprache erschienen. Eine 2. verbesserte und erweiterte englische Auflage ist derzeit in Vorbereitung.