Ein Vortrag
von Prof. Dr. Sophia Prinz von der Zürcher Hochschule der Künste.
Die post-digitale
Wahrnehmungsordnung ist durch ein paradoxes Spannungsverhältnis geprägt: Während die Abstraktionseffekte digitaler Technologien
für den Verlust authentischer, sinnlicher Erfahrung verantwortlich gemacht werden, soll dieser Verlust zugleich durch digitale
„Immersion“ kompensiert werden.
Auch in Museen werden solche digitalen „Wiederverzauberungstechnologien»
zunehmend eingesetzt: Digitale Objekte, AI-Chats oder multisensorische Raumerfahrungen sollen „Zugänglichkeit“ herstellen
und individuelle Interaktionen ermöglichen. Dabei steht oftmals die Faszination des technisch Machbaren oder eine Überwältigungsästhetik
im Vordergrund – so als hätte es die kunsttheoretischen Diskurse über Repräsentation, Reproduktion und Konstruktion oder die
(post-)konzeptuelle Auseinandersetzung mit der künstlerischen Materialität nie gegeben.
Ausgehend von
dieser Beobachtung möchte der Vortrag eine Ästhetik postdigitaler Ausstellung aus der Perspektive der Praxistheorie skizzieren.
Dabei steht die Frage im Zentrum, wie das Medium Ausstellung die Eigenheiten von digitalen Objekten/Reproduktionen ästhetisch
und epistemologisch nutzen kann: Wie lassen sich die veränderten Wahrnehmungsordnungen und -praktiken der post-digitalen Kultur
kuratorisch durcharbeiten? Und wohin wandert die «Aura» unter diesen Bedingungen?
Prof. Dr. Sophia Prinz
ist Professorin für Designtheorie und -geschichte an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). 2012 promovierte sie mit einer
sozialtheoretischen Arbeit zur Praxis des Sehens (veröffentlicht 2014). Von 2015 bis 2018 leitete sie das Forschungs- und
Ausstellungsprojekt
Mobile Welten (gefördert vom BMBF). Neben ihrer universitären Tätigkeit war sie von 2012
bis 2021 am Johann Jacobs Museum Zürich an zahlreichen Ausstellungsprojekten beteiligt. Gemeinsam mit einem transdisziplinären
Team realisiert sie derzeit eine App zum
kuratorischen Lernen (gefördert von der DIZH). Zu ihren Forschungsschwerpunkten
zählen Praxistheorie und Wahrnehmung, Design und Gesellschaft, Ausstellungstheorie und Ästhetik sowie globale Moderne und
Transkulturalität.
Der Vortrag findet auf Einladung von Felix Koberstein im Rahmen der Lehrveranstaltung The
long shadow of Walter Benjamin and the age of digital materialization statt.
Eine
Veranstaltung der Abteilung Expanded Museum Studies.