Matthias Bildstein: Soziale Plastik als Praxis
Von ortsspezifischen
Arbeiten zu institutionellen Ökosystemen
Eine Veranstaltung
der Abteilung TransArts.
Basierend auf 25 Jahren kollaborativer Praxis
– von den Wurzeln im Hip-Hop über das Duo Bildstein | Glatz bis zur Gründung unabhängiger Offspaces wie PFERD
– definiert Matthias Bildstein die Soziale Plastik als eine Praxis der administrativen Intervention neu. Durch
das „Remixen“ institutioneller Rahmenbedingungen – von der DIY-Kultur bis hin zu staatlichen Systemen – demonstriert er mit
der Halle 5, wie Satzungen, Community-Building und organisatorische Fürsorge („Care“) als rohe skulpturale Materialien fungieren.
Der Vortrag untersucht die Rolle des Künstlers als Architekt autonomer Ökosysteme und positioniert den Aufbau von Infrastruktur
als lebensnotwendige Form künstlerischer Praxis.
Skulptur als institutionelle Formgebung
Bildstein
begreift die Gestaltung von Institutionen und Infrastrukturen als konsequente Erweiterung der skulpturalen Praxis. Seine Arbeit
hebt die künstliche Trennung zwischen dem autonomen künstlerischen Objekt und den sozialen Prozessen seiner Entstehung auf.
Tief verwurzelt in der physischen Erfahrung monumentaler Interventionen, behandelt er administrative und rechtliche Gefüge
als plastisches Material. Maßstab, Materialität und die Bewegung des Körpers dienen als direkte Referenzpunkte für die Formung
komplexer Strukturen.
In diesem Prozess erscheinen Vereinsformen, Satzungen und Governance-Modelle nicht als bürokratisches
Beiwerk, sondern als Werkzeuge einer raumbildenden Formgebung. Projekte wie der 1.100 m² große unabhängige Produktionsraum
Halle 5 oder der Wiener Offspace PFERD sind keine bloßen Austragungsorte für Kunst, sondern selbst skulpturale
Manifestationen. Sie transformieren die Ephemerie temporärer Happenings in die dauerhafte Konstruktion autonomer Produktionsökosysteme.
Bildstein liefert keine Illustrationen sozialer Themen; er baut funktionierende Prototypen, die Raum, Gesellschaft
und Organisation als untrennbare plastische Einheit begreifen. Seine Arbeit etabliert eine Praxis, die künstlerische Freiheit
nicht nur proklamiert, sondern durch die aktive Gestaltung ihrer eigenen strukturellen Fundamente als paradigmatische Praxis
der Gegenwartskunst realisiert.
Matthias Bildstein (*1978, Hohenems) lebt und arbeitet in Wien
und Dornbirn. Er studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Erwin Wurm sowie an der Akademie der bildenden
Künste Wien. Internationale Bekanntheit erlangte er als Teil des Duos Bildstein | Glatz, das monumentale Interventionen
im öffentlichen Raum realisierte. Seine Praxis hat sich von skulpturalen Arbeiten hin zur Entwicklung komplexer, autonomer
Produktions- und Infrastrukturräume weiterentwickelt.