Das Umzugsvorhaben der Universität für
angewandte Kunst als impulsgebendes Ereignis lieferte den Topos [= gr. Ort, Denk- und Ausdrucksschema] für die Gemeinschaftsausstellung
"ETIKETT[E]". Das erstmalige Bespielen des Raumes unter Einbeziehung der Öffentlichkeit ist der ausgewiesene Aktus des Umwidmens
eines zuvor nicht zu Ausstellungszwecken genützten Raumes in einen Anziehungspunkt für Kunstgeschehen. Mit den vorgefundenen
Gegebenheiten spielend, wie ringend, kristallisierte sich ein Nexus mit folgenden Zuweisungspunkten heraus: Struktur und
Reglement, Transport und Fragilität, Opazität, Wertegeflecht und Reputation, Störfaktoren, Hemmschwellen und Territorialität.
Ebenso
bildeten Fragen nach dem Verhältnis von Institution und Individuum, sowohl im, als auch außerhalb des Kunstbetriebs die Eckpfeiler
des immanenten Denkgebäudes der Ausstellung. Mit dem Titel "ETIKETT[E]" sind zwei wesentliche Angelpunkte der konzeptuellen
Ausrichtung der Arbeiten bereits benannt:
I. Das Etikett als Werkzeug der Bedeutungszuweisung und folglich als Identifikationshilfe
von etwas oder jemandem. II. Die Etikette als Verhaltensregulativ, als vorgegebenes sittengesetzliches Reglement eines bestimmten
sozialen Gefüges. Die gezeigten Arbeiten knüpfen direkt oder über sinnbildliche Metaebenen vermittelt an die Thematik "ETIKETT[E]"
an und geben Einblick in mannigfaltige Zugangsweisen künstlerischer Denk- wie Umsetzungsprozesse, die in ihrer differierenden
Ausformung immer schon geeint sind durch folgenden ursprünglichen Anreiz: Es ist die Auseinandersetzung mit institutionell,
marktwirtschaftlich, wie sozial geschaffenen Spielregeln, welche sich auf das Individuum im Ordnungsprinzip des Raumes auswirken,
der in verschiedene Räume und Orte künstlich zerstückelt wurde - man denke an die geopolitische Brisanz nationaler Grenzziehungen.
Mit Etiketten versehene Objekte sollen den korrekten Transport von A nach B gewährleisten. Was bedeutet der Begriff "ETIKETT[E]"
in Bezug auf das korrekt Transportierte?
Mitwirkende KünstlerInnen:
Anne Gassner
Kathrin
Rhomberg
Laura Steiner
Kamen Stoyanov
Martin Veigl
Katrin Weidhofer