Die Angewandte bei der Vienna Art Week: Der Angriff der Gegenwart - Aussichten im Postwachstum

Im Rahmen der Vienna Art Week

Die immer neu entfachte Lust auf nie zufriedenstellenden Konsum, der nach wie vor routinierte Zugriff auf längst begrenzte Ressourcen, Städte in einem nahezu selbstverständlichen Ausverkauf, ungeschützte Arbeit ohne Aussicht auf Sicherheit und Entwicklung, ein aus der Zeit gefallener Automobilismus, gesellschaftlicher Zusammenhalt, der an den Exponentialkurven einer Pandemie bemessen wird, die Suspension von Öffentlichkeit – die Liste wäre weiter fortzusetzen, um doch nur Fragmente einer Realität festzuhalten, die nicht innehält und dabei nie über das Jetzt und den immer entscheidenden Moment hinauskommt.
 
Die vorstellbaren Zukunftsbilder einer solchen Gegenwart scheinen nur mehr denkbar als brutale, als unerträgliche Dystopien (ökologische Katastrophe, Klimakollaps, Massensterben) oder als gleichermaßen verheißungsvolle wie unerreichbare Utopien (faire und gerechte Gesellschaft für 10 Milliarden Erdenbürger 2050, der eine dekarbonisierte, nachhaltige Wirtschaft im Einklang mit der Natur dient). 

Die Bedingungen, unter denen diese Ausstellung zustande kommt, ergeben sich nicht zuletzt aus einem globalen Notstand. Diese Ausstellung befragt daher Künstler*innen nach ihren Bildern einer Gegenwart, die von Endzeitvorstellungen und Krisen geprägt ist und doch zugleich nach Konzeptionen und nach Kraft sucht. Es braucht widerständige Erfassungen einer Gegenwart wie Aussichten auf eine Zukunft, um Spielräume zu erkämpfen. Je eindringlicher die Bestandsaufnahmen desto schärfer lassen sich auch die Anliegen formulieren und übertragen und zugleich die Erkenntnis festhalten, dass solche Ziele die vieler sind. In diesem Sinn ist Kunst immer politisch zu verstehen.
 
Die künstlerischen Arbeiten formulieren Aussichten einer emphatischen Zukunft angesichts einer Welt, in der es dringlicher denn je andere Zugänge braucht, um nötige Expertise und zugängliches Allgemeinwissen, reale Zwänge und visionäre Freiheiten, verantwortungsvolles Engagement und verstörende Angstbilder zu einer kraftvollen Vielfalt zusammenzubringen: 
 
„Die Avantgarde ergibt sich nicht“, hatte der Künstler und kritische Denker Asger Jorn 1962 klargemacht. Diesem kämpferischen Anspruch möchte sich die Ausstellung stellen, geht es doch wesentlich darum, nicht auf Zukunft zu verzichten.
 
Die Ausstellung wird von einer Plakatserie begleitet, die wesentliche Daten und Fakten zur Weltlage aufbereitet.
 
Mit Arbeiten von: Allora & Calzadilla, Böhler & Orendt, Sophie Bösker, Nikolaus Gansterer, Oto Hudec, Markus Jeschaunig, Maria Kanzler, Krištof Kintera, Justin Lieberman, Christian Kosmas Mayer, Nicole Six und Paul Petritsch, Katrin Plavčak, Gerda Steiner & Jörg Lenzlinger, Michael Strasser, Herwig Turk, Anna Vasof

Kuratiert von: Brigitte Felderer, Barbara Horvath, Nina Pohler, Alexandra Strickner

Öffnungszeiten: Mittwoch – Samstag 14.00 – 18.00 Uhr

Kuratorinnenführung: Samstag, 14.11., 14 Uhr


1Der Titel nimmt Anleihe bei Alexander Kluges Film „Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit“ aus dem Jahr 1985.
 

Justin
                                       Lieberman Doctrinal Disposition, 2019 Foto: Frank Stürmer
Justin Lieberman Doctrinal Disposition, 2019 Foto: Frank Stürmer

Termine

Ausstellungseröffnung
10. November 2020 - 18:30
Austellungsdauer
11. November 2020 - 23. Januar 2021
Universitätsgalerie im Heiligenkreuzer Hof, Schönlaterngasse 5, 1010 Wien
Kuratorinnenführung
14. November 2020 - 14:00