Ludic Method Symposium

PLAYTHINGS AND THE MATERIALITY OF PLAY

Eine Veranstaltung der Abteilung Experimental Game Cultures an der Universität für angewandte Kunst Wien. Das Symposium sammelt die Beiträge zur Ludic Method, einer Vortragsreihe zu ludischer Forschungspraxis, die an der Abteilung von Margarete Jahrmann veranstaltet wird.
Das jährliche Symposium vereint Beiträge zur Ludic Method, einem Prinzip, das in Experimental Game Cultures näher erläutert wird. Die Veranstaltung vereint unterschiedliche Redner*innen, die sich mit ludischer Forschungspraxis, neuen Erkenntnissen zu kooperativer und tragfähiger experimenteller Spielkunst, zukünftigen gesellschaftlichen Dynamiken, künstlerischer Forschung, Wissenschaft und epistemologischen Fragen beschäftigen.
 
Die Kluft zwischen unseren Kinderzimmern und experimentellen Systemen in der künstlerischen Forschung scheint auf den ersten Blick groß zu sein, doch dahinter verbirgt sich ein tiefes Verlangen, uns mit unserer Welt und unserer eigenen Existenz auseinanderzusetzen. Die LUDIC METHOD stellt das Spiel als Strategie in den Mittelpunkt. In diesem Symposium bringen wir zwei Themen zusammen: Drama und play things, die den prozessualen Aspekt, die Dimension des Handelns und des kleinen Handelns im Spiel sowie neue Formen des Handelns jenseits des gängigen Verständnisses miteinander verbinden.

Ludische Einsichten entstehen durch ein fortwährendes psychophysisches Spiel mit Diskursobjekten bzw. Artefakten. Doch was sind diese Objekte, und welche Bedeutung haben die vielfältigen Forschungsfragen und Themen, mit denen sich die experimentelle Kunst unter Einbeziehung von Spielmechaniken und -kulturen auseinandersetzt?
Experimentelle Systeme, die als performative Praxis und Installationen konzipiert sind, sind die ersten Schritte, die zur nächsten Ebene der ludischen Methodenforschung führen: zur Schaffung künstlerischer Artefakte als epistemische Objekte, die einen nachhaltigen Diskursfluss ermöglichen.

Organisiert von Margarete Jahrmann und Clara Hirschmanner.
Das Symposium findet in Englischer Sprache statt.

Das Symposium wird auch über Zoom übertragen. Mit Zoom teilnehmen

Programm
 
13:00 – 13:30 Opening & Introduction by Margarete Jahrmann and Clara Hirschmanner. 
13:30 – 14:15 machina eX: Artifacts as Interface: Props and Interaction in machina eX’ Drahtwolken. 
14:15 – 15:00 Only Slime: Building game worlds as artistic practice and existential play
15:00 – 15:30 Coffee Break
15:30 – 16:15 Mikko Meriläinen: Art, fantasy, toys, junk: The meanings of gaming miniatures
16:15 – 17:00 Ugo Dehaes: How to breed and train robot dancers in your basement?
17:00 – 17:15 Break
17:15 – 18:00 Total Refusal: Noclipping through Corporate Subconsciousness
18:00 – 18:15 Closing Remarks
 
machina eX: Artifacts as Interface: Props and Interaction in machina eX’ Drahtwolken. 
 
Lena Vöcklinghaus, Mitglied des Berliner Kollektivs machina eX, wird über den Einsatz von Requisiten in den Spieltheaterproduktionen von machina eX sprechen. Requisiten spielen in der künstlerischen Praxis des Kollektivs eine besondere Rolle: Sie tragen nicht nur zur Atmosphäre und zur Erzählung bei, sondern fungieren auch als Spielgeräte – Objekte, die berührt, bewegt und mit denen interagiert werden kann und die als entscheidende Schnittstellen zwischen den Spielern, dem Raum und der Geschichte dienen.
 
Ausgehend von der 2025 in Weimar entstandenen Inszenierung „Drahtwolken“ – einem Stück über Zwangsarbeiter im nationalsozialistischen Deutschland – untersucht Vöcklinghaus, wie machina eX Requisiten auf zwei Ebenen einsetzt: als narrative Mittel, die die Handlung tragen und vertiefen, und als Spielelemente, die in die Spielmechanik eingebettet sind. Der Vortrag bietet Einblicke in den dramaturgischen und gestalterischen Prozess von machina eX sowie in die Technologien, die zum Einsatz kommen, wenn Objekte in interaktive Requisiten verwandelt werden.
 
 
ONLY SLIME: Building game worlds as artistic practice and existential play
 
Das Künstlerduo ONLY SLIME verschränkt in der eigenen künstlerischen Praxis digitale und reale Spielwelten auf der Bühne und in Installationen als Kulisse und Katalysator für existenzielles Spiel. 
Durch die Kombination von Strategien und Materialien aus Theater, Oper, digitaler Kunst, elektronischer Musik und immersiven Technologien wie Live-Motion-Capture und dem umfassenden Einsatz von Game-Engines in verschiedenen künstlerischen Kontexten erläutert das Duo seine Philosophie der Immersion und spielerischer Welten als zeitgenössische, rituelle Erzählmittel.
Der Vortrag behandelt verschiedene Aspekte ihrer alltäglichen Auseinandersetzung mit Technologie als Werkzeug für Weltenbau und Storytelling, den Einfluss des Aufwachsens in einem hypervernetzten Zeitalter auf zeitgenössische soziale Rituale und Erzählformen sowie die Anwendung kompositorischen Denkens zur Gestaltung der Interaktion mit dem Publikum im künstlerischen Kontext.
 
 
Mikko Meriläinen: Art, fantasy, toys, junk: The meanings of gaming miniatures
 
Was macht in einer Welt, in der digitale Unterhaltung nahezu unbegrenzt verfügbar ist, den Reiz physischer Spielfiguren – oder, anders gesagt, von Spielzeugsoldaten – aus? Wie und warum beschäftigen sich Hobbyisten mit diesen winzigen Objekten, und welche Bedeutungen und welchen Wert werden ihnen zugeschrieben? Ausgehend von seinen Forschungsergebnissen und drei Jahrzehnten Erfahrung im Miniaturbau erörtert der Spielwissenschaftler Mikko Meriläinen, inwiefern Miniaturen oft weit mehr sind als bloße Spielfiguren, und reflektiert über den Wert des materiellen Spielens in unserem digitalen Zeitalter.
 
 
Ugo Dehaes: How to breed and train robot dancers in your basement?
 
Der belgische Choreograf Ugo Dehaes schuf fast zwei Jahrzehnte lang Stücke für teure, aber auch zerbrechliche und eigensinnige menschliche Tänzer*innen. Als Fördergeber begannen, Effizienz, Kosteneinsparungen und Optimierung zu fordern, tat er das, was jeder vernünftige Künstler in unserer neoliberalen Gesellschaft tun würde: Er entließ alle seine Tänzer*innen, um sie durch Roboter zu ersetzen. Doch ohne geeignete Investoren musste Ugo seine eigenen Roboter im Keller züchten.
In diesem Vortrag enthüllt Ugo die schmutzigen Geheimnisse des Fachs: wie man aus schleimigen Kokons niedliche, aber völlig dumme, raupenähnliche Wesen schlüpfen lässt. Er verrät praktische Tipps zur Robotererziehung, zum Bewegungstraining und zur hohen Kunst, unbezahlte Arbeit an begeisterte Zuschauer abzuwälzen, die glauben, sie würden „mitmachen“. Durch den Zugriff auf das „World Wood Web“ können Sie Ihren Robotern sogar etwas KI verleihen. Der einzige Haken?
Sobald sie die Choreografie selbst beherrschen, wird auch der eigene Job überflüssig. Schließlich muss die Effizienz bis ganz nach oben optimiert werden.
 
 
Total Refusal: Noclipping through Corporate Subconsciousness
 
Bei den meisten im „Westen“ produzierten Spielen bestimmt der Kapitalismus die Kernmechaniken, die Handlung und die Weltgestaltung. Das führt dazu, dass in ihnen die regelbestätigende, militaristische, hypermaskuline und autoritäre Leistungsgesellschaften reproduziert wird. Es ist wichtig über diese Vorgänge zu sprechen, da Videospiele wesentliche Hegemonialmaschinen sind und demokratische Ideologien nur selten in das Spieldesign einfließen. Indem Total Refusal diese Spiele anders spielt, und linke Theorie einbringt, erforscht das Künstler*innen Kollektiv Methoden, diese hegemonialen Maschinen zu untergraben.
Total Refusal bedient sich zeitgenössischer Videospiele, um sowohl ein kritisches Licht auf deren dominante Narrative und politische Bedeutung zu werfen als auch deren Ressourcen zu missbrauchen, um radikale Erzählungen zu erzählen, die die von den Spieleentwicklern beabsichtigten Spielmechaniken ignorieren.
 
 
 
 
 
Symposium
22. April 2026, 13:00 - 18:30
Universität für angewandte Kunst Wien, Auditorium, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien