Angewandte Praxis – Maddening the Machine: Drawing and AI

Professor Michael Newman in Korrespondenz mit Alexander Damianisch und Nikolaus Gansterer.
Vortrag, Diskussion und Workshop
 
Aufbauend auf seiner früheren Auseinandersetzung mit der Zeichnung als Spur bei Derrida sowie ausgehend von disegno und der Kritzelei in der Renaissance wird Michael Newman die doppelte Natur der Zeichnung untersuchen: einerseits als Spur dessen, was vergangen ist, verbunden mit Erinnerung, und andererseits als Generativität, verbunden mit der Zukunft. Ausgehend von der Entwicklung eines neuen Modells des Buches als Performance in Mallarmés posthum veröffentlichten Notizen, bekannt als Le Livre, wird Newman rückblickend eine KI-Archäologie der Zeichnung erforschen, die mithilfe des Zufalls entstanden ist (von Alexander Cozens über Marcel Duchamp bis John Cage). Dies wird zu einer Neubewertung der Rolle von Randomisierung, Rauschen und dem Nicht-Berechenbaren bei der Formulierung einer KI-Imagination führen (Cécile Malespina und Luciana Parisi). Auf der Grundlage einer Diskussion der Arbeiten des britischen Künstlers Toby Christian, der mit KI arbeitet, wird vorgeschlagen, dass Partnerschaften zwischen menschlichen Künstler:innen und KI — die körperliche Gesten und eine Choreografie des Machens einbeziehen — zeigen, dass Imagination nicht als Fähigkeit eines individuellen Subjekts verstanden werden muss, sondern vielmehr als etwas, das in Beziehungen verankert ist. Die Hoffnung ist, dass die künstlerische Praxis mit KI-Generativität radikale Transformationen und unvorhergesehene Potenziale in den Beziehungen zwischen Menschen und Maschinen eröffnen kann. Die Rückkehr zur Spur wirft jedoch zugleich unausweichliche Fragen nach Endlichkeit und Ethik auf.
 
Michael Newman ist Professor für Art Writing im Fachbereich Kunst an der Goldsmiths University of London. Er hat Abschlüsse in englischer Literatur und Kunstgeschichte sowie einen Doktortitel in Philosophie von der Katholischen Universität Leuven in Belgien. Er hat zahlreiche Essays über moderne und zeitgenössische KünstlerInnen sowie thematische Texte zu Wunde, Horizont, Kontingenz, Erinnerung, Zeichnung und Nonsens veröffentlicht. Zudem ist er Co-Direktor des neuen Drawing Centre for Humans and Machines an der Goldsmiths University in London, UK.
 
Dieses Event ist eine Kooperation zwischen den Abteilungen Support Kunst und Forschung und Transmediale Kunst.
Veranstaltung
Vortrag, Diskussion und Workshop
29. Januar 2026, 15:00 - 17:00
Universität für angewandte Kunst Wien, Seminarraum 20, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien