Shaken Grounds widmet sich transdisziplinär dem Zusammenhang von geologischen, gesellschaftlichen
und psychischen Erschütterungen. Dabei entsteht ein von Édouard Glissant beschriebenes „zitterndes Denken“, das die Stabilität
des Grundes, auf dem wir stehen, befragt und sich Brüchen, Beben und Verwerfungen zuwendet. Seismografie wird zu einer Methode
des Wahrnehmens, Aufzeichnens und In-Beziehung-Setzens.
Die
Exposition – als Öffnung und Artikulation
künstlerischer Forschung – geht von der Beobachtung aus, dass nicht nur natürliche Prozesse, sondern auch globale Erwärmung
und menschliche Eingriffe in die Erdkruste deren Stabilität beeinflussen. Während sich derartige Dynamiken über unterschiedliche
Maßstäbe und Zonen entfalten, oft jenseits unmittelbarer Wahrnehmung, stellt sich die Frage, auf welche Weise künstlerische
Forschung als eine Form von Seismografie operiert, und wie künstlerische Praktiken subtile Schwingungen und deutlichere Verschiebungen
zwischen der belebten Welt und einer zunehmend instabilen Geosphäre erfassen und übersetzen können.
Durch
die Arbeit mit Film, Klang, Performance, Text, Objekten, Zeichnung und Malerei bringt das Projekt Künstler*innen, Wissenschaftler*innen
und Kurator*innen zusammen. In einem offenen Kollektiv treffen unterschiedliche Perspektiven auf menschengemachte Seismizität
aufeinander: Filmemachen, Geologie, künstlerische und somatische Praktiken ebenso wie Philosophie und Geschichte verstehen
das Phänomen jeweils anders. Im transdisziplinären Dialog wird das Phänomen differenziert, sodass neue Aspekte hervortreten
können.
Shaken Grounds bewegt sich durch vulkanische Landschaften Süditaliens, durch Erdbebenüberwachungsräume,
geothermische Infrastrukturen und CO₂-Injektionsanlagen, entlang der Lavafelder Islands sowie zu den schmelzenden Gletschern
der Alpen, und fragt, wie wir dem, was sich um uns und in uns verändert, Aufmerksamkeit schenken und dabei beweglich-zitternd
in Beziehung bleiben können.
Mit Beiträgen von Bjarki Bragason, Nikolaus Gansterer, Mariella Greil, Victor Jaschke,
Peter Kozek, Anna Líndal, Werner Moebius und Lucie Strecker.
Im künstlerischen und wissenschaftlichen Dialog mit
Valerio Acocella, Arno Böhler, Alexander Damianisch, Wolfgang Fiel, Oscar Fernandez Bellon, Helga Franza, Nicolas Freytag,
Sabine Folie, Aleksandar Gabrovski, Vesna Meštrić, Werner Moebius, Susanna Ravelli, Sylvia Scheidl, Ana Škegro, Kaloyan Vasev,
VestAndPage, Sandro de Vita und Mauro di Vito.
Das Creative-Europe-Projekt
Shaken Grounds: Art as Seismography
wird in Zusammenarbeit mit dem Museum of Contemporary Art Zagreb, Kroatien (Projektleitung), der Universität für angewandte
Kunst Wien, Österreich, der Iceland University of the Arts, Reykjavík, Island sowie Centro ITARD Lombardia / Volcanic Attitude
Festival, Italien (kofinanziert von der Europäischen Union) durchgeführt.
Shaken Grounds. Seismography
of Precarious Presences AIL – Angewandte Interdisciplinary Lab
Georg-Coch-Platz 2, 1010 Wien
Presseführung: 4. Mai 2026, 10.30 Uhr (Anmeldung unter
presse@uni-ak.ac.at)
Eröffnung: 4. Mai 2026, 18.00 Uhr
Ausstellung: 5.–26. Mai 2026
Öffnungszeiten:
Montag – Freitag, 11.00–18.00 Uhr
Eintritt frei.
Begleitprogramm:12. Mai, 17.00
Publikumsdialog und Führung
26. Mai, 17.00
Finissage und Führung