Die zweisprachige Konferenz Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess
initiiert eine grundlegende Neupositionierung der traditionsreichen Werkstätten an der Universität für angewandte Kunst Wien.
In den Kunst- und Kulturwissenschaften, der Anthropologie, Ethnologie und Medienwissenschaft sowie im interdisziplinären Feld
der Material Culture existieren bereits wegweisende Ansätze, die den traditionellen Dualismus von Theorie und Praxis infrage
stellen und andere Formen von Wissen zum Ausgangspunkt für Erkenntnisgewinnung in den Blick nehmen. Die Veranstaltung baut
auf diesen theoretischen Vorläufern und der historischen Geschichtsschreibung auf, führt sie jedoch in einer neuen Konsequenz
fort: Sie belässt es nicht bei der analytischen Betrachtung, sondern untersucht das Verhältnis von Denken und Handeln mit
den physischen und digitalen Werkstätten. Ziel ist die Definition von praxisbasiertem Werkstattwissen, das als eigenständige,
theoretisch valide Erkenntnisform direkt in die Theoriebildung und wissenschaftliche Analyse zurückspiegelt. Material
Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess schafft hierfür eine diskursive und transdisziplinäre Bühne auf Augenhöhe
für Wissenschaftler*innen, Handwerker*innen und Künstler*innen, die Theorie, Praxis und Forschung aus ihren jeweiligen Perspektiven
miteinander reflektieren. In diesem gemeinsamen Denk- und Handlungsraum werden Materialien, Werkzeuge und Herstellungsprozesse
als aktive, digital-analog erweiterte Mitproduzent*innen von Wissen begriffen. Dieses konzeptionelle Gefüge entfaltet sich
entlang von neun Formaten, die Werkstattwissen im Kontext seiner Geschichte, Zugänglichkeit, Verfahrensweisen und Materialität,
aber auch seiner Zirkulation und Weitergabe sowie seinen Potenzialen aus einer lokalen und globalen Perspektive zum Thema
machen.
Die Konferenz wird von der räumlichen Installation
Remnants im Atrium begleitet.
Materielle Spuren aus verschiedenen Herstellungsprozessen und Werkstätten der Universität für angewandte Kunst Wien werden
miteinander in Dialog gebracht und geben Einblicke in die vielfältigen Praktiken und Formen des Werkstattwissens.
Montag, 23.11.2026
10:30–11:00 Uhr
Einführung
und Begrüßung / Introduction and Welcome (dt/en)
11:00–12:30 Uhr
Institutionelle
Archive und das Erbe des Kunstgewerbes (dt)
Bernadette REINHOLD (Kunstsammlung und
Archiv, die Angewandte): Vision und Realität. Die Werkstattidee und die Wiener Kunstgewerbeschule
Rainald
FRANZ (Sammlung Glas und Keramik, Museum für angewandte Kunst Wien): Die Schulwerkstatt im Museum als Erkenntnisort. Auf
dem Weg zur neuen Form im Material
Eva LENHART (Konservierung und Restaurierung, die Angewandte):
Die Werkstatt als Wissensspeicher. Manuelles Wissen und das immaterielle Erbe der Wiener Kunstgewerbeschule
Moderation:
Matthias BOECKL (Architekturgeschichte, die Angewandte)
—1,15h Mittagspause /
lunch break—
13:45–15:15 Uhr
The Paris
Commune and the Emancipation of Labour (en)
Kristin ROSS (Kultur- und Literaturwissenschaften,
Paris):
Notes on Communal Luxury
Karim JAFARMADAR (Entrepreneurship, Gründer
HappyLab, Wien)
Stefanie KOEMEDA (Kunst, Gründerin Tonhalle, Wien)
Tomash SCHOISWOHL (Kunst und Aktivismus,
Wien)
Anna-Maria WOLF (Kunst, WUK, Wien)
Moderation: Brigitte FELDERER (Social
Design, die Angewandte)
—15 min Pause / break—
15:30–17:00
Uhr
Material Dialogues. Gespräche zu materiellen Spuren, Prozessen und Ökologien (dt/en)
Claudia
ROHRAUER/Lisa RASTL-DORNER (Analoge Fotografie, die Angewandte)
Isabel KRANZ (Kulturwissenschaften, die Angewandte)
DE
Judith
FEGERL (Metallwerkstatt, die Angewandte)
Sasha ROSSMAN (Kunstgeschichte, die Angewandte)
EN
Karl
SALZMANN (ÆSR Lab, die Angewandte)
Jo SCHINDLER (Expanded Museum Studies, die Angewandte)
DE
Manuel
WANDL (Weberei, die Angewandte)
Tulay ATAK (Theorie der Architektur, die Angewandte)
EN
Einleitung: Ebba FRANSÉN WALDHÖR (Textil, die Angewandte)
—30min
Kaffeepause—
19:30–21:00 Uhr
Woven Sounds
Mehdi
AMINIAN (Ney, Setar, Gesang & Musikalische Leitung, Wien)
Maryam ABTAHI (Gesang, Webkunst, Isfahan)
Şirin
PANCAROĞLU (Harfe, Izmir)
Joss TURNBULL (Perkussion, Berlin)
Tohid VAHID (Kamancheh, Isfahan)
Moderation:
Anita HOSSEINI (Kunstgeschichte, die Angewandte) und Karin ALTMANN (Textil, die Angewandte)
Dienstag,
24.11.2026
9:00–9:15 Uhr
Anmoderation und Begrüßung (dt/en)
9:30–11:00
Uhr
Situated Knowledges, Craft Lineages and Critical Practices (en)
Paolo
FRANZO (Mode, Universität Florenz)
Stefanie KITZBERGER (Kunstsammlung und Archiv, die Angewandte)
Thabisa
MJO (Designerin, Johannesburg)
Caterina PECCHIOLI (Interdisziplinäre Kunst und Theorie, Amsterdam)
Moderation:
Monica TITTON (Mode, die Angewandte)
—30 min Kaffeepause—
11:30–12:50
Uhr
From Code to Clay – Feminist and Open-Source Approaches to Craft and Digital Knowledge
(en)
Katrin MAYER (Kunst, Berlin): The Need for Each Other’s Relay
Derek
AU (Keramikkunst und Softwarentwicklung, New York): “Recipes Don't Travel Well": Glazy and the Global Workshop
Moderation:
Patrícia J. REIS (Digitale Kunst, die Angewandte)
—1h Mittagspause—
14:00–15:30
Uhr
Das Denken der Hand und das implizite Körperwissen (dt)
Ernst
GAMPERL (Kunst, Steingarden)
Ann-Sophie LEHMANN (Kunstgeschichte und materielle Kultur, Universität
Groningen): Das Herstellen im Erscheinungsraum
Moderation: Sascha ZAITSEVA (Keramikstudio,
die Angewandte)
—30 min Kaffeepause—
16:00–18:00
Uhr
The Aesthetics of Error/Rupture – Between Material and Algorithm (en)
Ruth
ANDERWALD + Leonhard GROND (Kunst, Universität für Musik und darstellende Kunst Wien): Stumbling
Michael
BRAUN (Designtheorie und Designforschung, Bauhaus-Universität Weimar): Robotic Craft: Working with Deviation
Seth
WEINER (Kunst und Architektur, Wien): Beginner’s Sadness
Kristin WEISSENBERGER (Kunst,
Institut für bildende Kunst I, Akademie der bildenden Künste Wien): Melted
Moderation:
Roswitha SCHULLER (TransArts, die Angewandte)
18:00–18:30 Uhr
Final
Remarks
Material Stories. Werkstattwissen als Erkenntnisprozess ist die zweite Konferenz der Reihe
Material Cultures der Universität für angewandte Kunst Wien. Mit der 2026 etablierten, disziplinübergreifenden Konferenz-Reihe
„Material Cultures” reflektiert die Universität für angewandte Kunst Wien ihr Selbstverständnis als Ort der gesellschaftlich
wirksamen Kunst.
Das Material selbst und der Umgang mit physischen und nicht-physischen Materialien wird als
Träger von Wissen und Praxis, im Kontext von multiplen, vernetzten Diskursen in Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre
im Austausch mit gesellschaftlichen Akteur*innen verhandelt. Die Reihe verknüpft Theorie, Experiment und Praxis über Ateliers,
Seminarräume, Werkstätten, Archive und öffentliche Räume hinweg. Die Erkenntnisse der Konferenzen fließen in die Entwicklung
der Universität und in den globalen Universitäts-Diskurs ein und tragen zur gesellschaftlichen Innovation bei.
Anmeldung