Diagonale 2026: Erfolge für Sophie Bösker und Anna Vasof

09. April 2026
In diesem Jahr freuen gibt es im Zuge des Diagonale Filmfestivals doppelten Anlass zur Freude: der Künstlerinnen, Alumnae und Lehrenden Sophie Bösker und Anna Vasof feierten beide Erfolge. Beide waren mit ihren Filmen im Festivalprogramm vertreten – mit Auszeichnung und besonderer Erwähnung.

Beide beschäftigten sich in den bei der Diagonale vertretenen Werken in der ihnen jeweils typischen Weise mit sehr persönlichen, eigenen Erfahrungen und schufen zwei sehenswerte Kurzfilme.
Sophie Bösker erhielt den Diagonale-Preis für Kurzdokumentarfilm 2026 für ihren Film Motherigine. Ausgangspunkt des Films ist die Geburt ihrer Tochter Lotti, also der Beginn der ihrer Mutterschaft: Über drei Jahre hinweg begleitet und dokumentiert Bösker mit der Kamera ihren Alltag als junge Mutter und überprüft gemeinsam mit ihrem Partner das Modell der Care-Arbeit „Halbe-Halbe“. Ein gemeinsam erstellter Stundenplan definierte sogenannte „Slots“, in denen die Künstlerin arbeiten kann bzw. „darf“. Die Kamera wird dabei Zeugin ihrer Bekenntnisse, Frustration, Wutausbrüche.
Neben der Dokumentation ist der Film und der Kontakt mit der Kamera auch Ventil für sie als „Neomutter“, die unter Dauerstress steht und deren Feminismus auf eine harte Probe der Alltagstauglichkeit gestellt wird.

Klassisch dokumentarische Elemente werden in Motherigine gekonnt und überraschend durchkreuzt von Songs, musikalische Interventionen die Musikvideos gleichen: „Mich selbst als Protagonistin inszenierend, schnappte ich sowohl echte Momente meines Familienlebens auf, entwickelte aber auch bewusst Interviewsituationen und Songtexte weiter, um universelle Geschichten zu erzählen, die mir auch von anderen Müttern übertragen wurden und die ich in meinem Umfeld beobachten konnte. Die musikalischen Interventionen greifen die Form des Musikvideos auf; sie sind für mich sowohl ein Ventil für Frustration als auch eine Art von „Empowerment“, die mit dem traditionellen Rollenbild der Mutter bricht und die eigene Identität manifestiert“, erklärt Sophie Bösker. Motherigine entstand als hybrider Film an der Schnittstelle von Dokumentarfilm, Inszenierung und Musikvideo und setzt damit eine Arbeitsweise fort, die Bösker bereits während ihres Studiums im Bereich Social Design entwickelte, in dem das Medium Film eine zentrale Rolle spielte. "Meine Arbeit befindet sich oft an filmischen Schnittstellen: Sowohl mein Abschlussfilm an der Angewandten, Jesus, Aliens! I think. als auch die Serie „Wien0815" und der musikalische Experimentalfilm "Meine Mama mag meine Kunst nicht“ testen Grenzen aus und erforschen auf humorvolle Weise unvorhersehbare Räume und Kombinationen. Der Anstoß zum Filmemachen ergibt sich für mich oft aus einer eingeschränkten Ausgangssituation des Filmemachens selbst: Wie kann ich eine Geschichte mit einfachen Mitteln erzählen– ohne aufwendigen Filmdreh und möglichst niederschwellig? So entstand auch Motherigine in den ersten drei Lebensjahren meiner Tochter; einer Phase, in der Zeit und Mittel begrenzt waren.", führt Bösker über ihre Arbeitsweise aus. Jene Arbeitsweise bringt Sophie Bösker auch in ihre Lehre in der Abteilung Social Design ein.

Ihre Kollegin Anna Vasof stellte mit 3 cm of Complexity eine persönliche Erfahrung in den Mittelpunkt ihrer filmischen Auseinandersetzung. Ihr experimenteller Kurzfilm nimmt inhatlicht Ausgang von einer persönlichen körperlichen Leidensgeschichte Vasofs. Diese weitet sich im Film zu einer Reflexion über die Zumutungen von Leistungsdruck und die Unzulänglichkeiten des Gesundheitssystems aus. Vasof entwickelt dafür trickreiche Apparaturen, in die sie sich selbst einbindet: absurd, humorvoll, fast komisch und zugleich als metaphorische Instrumente lesbar, bilden diese die Realität nicht einfach ab, sondern schaffen verschobene und neue Deutungsebenen. Für ihre Arbeit erhielt sie bei der Diagonale eine Besondere Erwähnung.

Anna Vasof, Alumna von Social Design, lehrt mittlerweile an der Angewandten; auch Sophie Bösker ist neben ihrer künstlerischen Praxis in der Abteilung Social Design tätig.

Wir gratulieren herzlich!
Weiterführende Informationen:

Motherigine auf der Website der Diagonale

3 cm of Complexity auf der Website der Diagonale 


refreshingfilms.com/filme/3cm-of-complexity
Zum Trailer des Films 3 cm of Complexity