A Must Sea von Francesca Cenzone bei der Biennale Internazionale Donna Triest

28. März 2026
Die BID — Biennale Internazionale Donna in Triest zeigt in diesem Jahr einen Beitrag von Francesca Centonze, Studentin der Abteilung Transmediale Kunst. In der Rauminstallation A Must Sea beschäftigt sich die gebürtigen Triestinerin mit ihrer Heimatstadt – im Zentrum dabei der im Wandel stehende Hafen Porto Vecchio. Er beherbergt mehrere Welten. Er ist heute zugleich kultureller Produktionsraum und Teil eines Entwicklungsprojekts, das von Kreuzfahrttourismus, Hotels und Infrastruktur geprägt wird. Parallel dazu existiert dort eine andere, weniger wahrnehmbare Lebenswelt: jene von Migrant*innen der Balkanroute, die den Hafen unter prekären Bedingungen erreicht haben und weiterhin bewohnen – zwei Welten, räumlich nah und symbolisch weit voneinander entfernt stehen in direkter Koesxistenz.
Interessiert an den Sichtbarkeiten, die oftmals nur am Rand des Stadtbilds auffindbar sind ging Centonze auf die Spurensuche. In achtsam forschender Praxis entdeckte Centonze minimale Spuren der Präsenz der Migrant*innen im öffentlichen Raum rund um den Bahnhof, Verpackungsreste wei etwa „Bonbonpapier“, die sich ansammeln und verändern. Diese stillen Zeichen verweisen auf fortlaufende Durchgänge, Wiederholungen, unsichtbare Existenzen und legen Zeugins der harten Bedingungen, bis zu Todesfällen, im Hafenareal ab. Es sind Spuren im Stadtbild jener Gruppen, die oftmals wenig Sichtbarkeit erhalten. 

A Must Sea ist damit ein Projekt, das so das Sehen hinterfragt. Es entspringt der Erkenntnis und Überzeugung , dass eine Haltung bewusster Distanziertheit – à la „das geht mich nichts an“ – heute nicht mehr tragbar ist. Eng verknüpft ist damit Frage nach der gesellschaftlicher Verantwortung des einzelnen: Was muss gesehen werden? Was wird gesehen? Welche gesellschaftlichen, ethischen und politischen Kontexte hat Sehen und Gesehen werden im öffentlichen Raums. 

Die multimediale Installation positioniert sich in diesem Spannungsfeld, ohne direkt zu dokumentieren oder anzuklagen. Stattdessen arbeitet die Installation mit Bedeutungsverschiebungen und symbolischen Überlagerungen. Ein auf Stoff gedrucktes Meer wird zum ambivalenten Bild zwischen Nostalgie, Freizeit und Verlust, zwischen Sehnsucht und Trauma. Goldene Wärmedecken erscheinen als Flagge und erweitern die Symbolik von Zugehörigkeit und Grenze: Sie stehen zugleich für Schutz und Ausschluss und verweisen auf Räume, in denen Grenzen als Konstruktionen von Macht und kapitalistischer Logik sichtbar werden.

Centonzes Arbeit bewegt sich an einer Schwelle – zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen kultureller Produktion und Überleben, zwischen Ästhetisierung und Realität. Es eröffnet universell relevante Fragen zur Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und Teilhabe an gesellschaftlichen Dynamiken, die über das Beispiel Porto Vecchio hinaus zu stellen sind. Das Projekt bietet keine Lösungen an; vielmehr fordert es eine Neuausrichtung des Blicks: verweilen, beobachten, nicht wegsehen. 
Centonze lebt heute in Wien verbindet in ihrer Arbeit persönliche Perspektive mit gesellschaftlicher Reflexion. Ihre Teilnahme an der Biennale macht ihre vielschichtige Auseinandersetzung einem internationalen Publikum zugänglich. 
Gefördert wurde A Must Sea es von der Studentenvereinigung der Universität für angewandte Kunst Wien.

BID – Biennale Internazionale Donna
Ausstellungsdauer: 28.03.2026 - 03.05.2026
bidartbiennale.com