Im Rahmen des kunst- und kulturwissenschaftlichen Kolloquiums ein Vortrag von Jonas von Lenthe
statt.
Flugschriften, Manifeste, Polemiken - vor
dem Hintergrund sich verschärfender Kulturkämpfe scheinen auch Veröffentlichungen mit interventionistischem Anspruch wieder
an Relevanz zu gewinnen. Innerhalb liberaler Demokratien ist eine gelungene Diskursintervention in der Lage, das moralische
Fundament bürgerlicher Öffentlichkeit in Frage zu stellen. Je mehr sie dazu fähig ist, desto mehr läuft sie Gefahr, bekämpft
zu werden - durch Diffamierung, Zensur oder mit rechtlichen Mitteln. Dabei richtet sich die Intervention nicht nur gegen etwas,
sie stellt auch ein Wir her, indem sie eine Gegenöffentlichkeit produziert, innerhalb der sie zirkulieren kann. Entscheidend
ist ihr medialer und politischer Kontext ebenso wie ihre Form: ihr Ton und ihre Sprache, die darin hergestellte Nähe oder
Distanz sowie herstellerische, gestalterische und vertriebliche Faktoren.
Doch wie verhält sich die
Diskursintervention in unserer Gegenwart, der nicht wenige Beobachter*innen eine postliberale Tendenz diagnostizieren? Anhand
unterschiedlicher historischer und gegenwärtiger Beispiele - darunter Ulrike Meinhofs konkret-Kolumne, der 2007 bei La fabrique
éditions erschienene TextL'insurrection qui vient(Der kommende Aufstand) und Houria Bouteldjas Polemik inWhites, Jews, and
Us- soll in diesem Vortrag das Verhältnis zwischen Form und Öffentlichkeit gefährlicher Texte untersucht und für kommende
Kulturkämpfe nutzbar gemacht werden.
Jonas von Lenthe betreibt in Berlin den Verlag Wirklichkeit
Books, wo er unter anderem Bücher von Dagmar Herzog, Enzo Traverso, Moshtari Hilal und Sinthujan Varatharajah veröffentlichte.
Von 2022 bis 2024 leitete er mit Johanna Klingler das Archiv des Kunstverein München. Seit 2025 ist er wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der FHNW Basel.
Der Vortrag ist öffentlich ohne Anmeldung zugänglich.
Das Kolloquium
wird dieses Semester von der Abteilung Kunsttheorie von Jakob Schillinger betreut.