Ausstellung: DER HAUSFREUND
29.04.2019

Ausstellungseröffnung: Dienstag, 30. April 2019 um 18 Uhr
Ausstellungsdauer: 2. Mai bis 1. Juni 2019
Universitätsgalerie der Angewandten im Heiligenkreuzer Hof, Schönlaterngasse 5
 
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Eine Wiederentdeckung des exzentrischen Werks von Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini im Dialog mit Arbeiten von Kamilla Bischof, Julian Göthe, Elisabeth Karlinsky, Ulrike Müller, Oswald Oberhuber, Dagobert Peche, Marianne My Ullmann, Amelie von Wulffen & Nico Ihlein, Laura Welker, Eduard Wimmer-Wisgrill und Min Yoon.

Kuratiert von Cosima Rainer und Robert Müller.
 
Ausgehend von der Sammlung der Universität für angewandte Kunst Wien präsentiert die Ausstellung den Künstler Friedrich von Berzeviczy-Pallavicini (1909-1989), einst eine schillernde Figur im Umfeld der (damaligen) Wiener Kunstgewerbeschule. Im Kontrast zur disziplinierten Ästhetik der Wiener Werkstätte hinterließ er Werke mit einer manierierten und eigenwilligen Formensprache, die bisher kaum gezeigt wurden, aber für das aktuelle Kunstgeschehen eine Wiederentdeckung darstellen. Im Dialog mit Werken zeitgenössischer internationaler Künstlerinnen und Künstler sowie mit historisch verwandten Positionen werden in der Ausstellung Der Hausfreund wichtige Motive seiner Produktion aufgegriffen, gespiegelt und neu interpretiert.
Die Ausstellung wird in kuratorischer Zusammenarbeit mit dem Künstler Robert Müller (Berlin/Wien) entwickelt und in zwei unterschiedlichen Versionen zunächst in Wien, und darauffolgend im September 2019 im Österreichischen Kulturforum Berlin gezeigt. Die Publikation zur Ausstellung erscheint im Oktober 2019.
 
Berzeviczy-Pallavicini studierte in den 1920er Jahren an der Kunstgewerbeschule in Wien (heute: Universität für angewandte Kunst Wien) bei Eduard Wimmer-Wisgrill. Die Einflüsse der modernen Raumkunst und der Wiener Werkstätte, insbesondere der exzeptionelle Ansatz Dagobert Peches, spiegelten sich in seinen Arbeiten wider. Nicht zuletzt durch die Unterstützung Josef Hoffmanns bewegte er sich bald als Gestalter und Designer im Kultur- und Luxussegment seiner Zeit. Nach seiner Emigration aus Österreich war er unter anderem für die Gestaltung der Magazine Aria d’Italia (mit Daria Guernati) und Flair (mit Fleur Cowles) verantwortlich. In New York arbeitete er zudem für Elisabeth Arden und Helena Rubinstein als Dekorateur, Innenarchitekt und künstlerischer Berater und gestaltete deren Geschäftslokale und Wohnungen. Seine Auslagengestaltungen, Verpackungen und Dekorationen für die Hofzuckerbäckerei Demel in Wien galten als legendär und wurden in den 1960er Jahren als „Theater für die Straße“ bezeichnet. Mit seinen spielerischen und exzentrischen Bild- und Formgestaltungen wirkte er im Spannungsfeld zwischen angewandter und bildender Kunst und war wegweisend für grafische sowie auch künstlerischer
 
Verfahren, die mit einem burlesken Gestus eine ausschweifende Entfaltung der Formen betrieb. Durch die Kombination einer klaren Gestaltungssprache mit einem exotischen, zwischen Rokoko und Art Deco oszillierenden Vokabular, zelebrierte Berzeviczy-Pallavicini eine Grenzüberschreitung zwischen Tradition und Moderne. Er steht damit repräsentativ für eine „andere Moderne“ oder Anti-Moderne, die sich auch in Arbeiten etwa Florine Stettheimers, Cecil Beatons oder des frühen Andy Warhol spiegelt, und die schon im Wien der Jahrhundertwende im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Ornament und Askese bzw. „richtiger Form“ Gegenstand der gestalterischen Diskussion war.
 
Cosima Rainer leitet seit 2018 die Kunstsammlung der Universität für angewandte Kunst Wien. Davor, von 2012 – 2018 war sie Direktorin der Galerie der Stadt Schwaz sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Neben eigenen Lehrveranstaltungen konzipierte sie auch eine länderübergreifende Performancereihe. Als Beiratsmitglied betreute sie das Artist in Residence-Programm der Sammlung Lenikus von 2011-2013. Sie verwirklichte unterschiedliche Projekte für das Belvedere Museum Wien, Lentos Museum Linz und den Düsseldorfer Hofgarten. Kuratorisch war sie u.a. für das Austrian Cultural Forum in New York, de Appel Amsterdam, die Kunsthalle Düsseldorf u.v.a.m. tätig.
 
 
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