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Trausenegger, Kai Stud.Ass.

title
Siegerkunst
subtitle
A letter to Wolfgang Ullrich
type
painting
keywords
painting, abstract, generikum, Ullrich
texts
description
Guten Tag Herr Dr.Ullrich, anschließend an die Podiumsdiskussion in der Produzentengallerie Wien würde ich im Anhang noch die Malerei übermitteln die ich im Bezug auf Ihr Buch „Siegerkunst“ gleichnamig betitelt habe. (Spät aber doch) Hierbei handelt es sich natürlich nicht tatsächlich um Siegerkunst, da sie weder horrend hohe Preise erzielt, noch auf einer der vielen Biennalen gezeigt wird. Allerdings hat mir dieser Begriff als Ausgangspunkt für Überlegungen an der eigenen Arbeit gedient, die sich mit der Vermarktung von Kunst beschäftigten. In erster Linie leitete mich die Vorstellung wie wohl ein Kunstwerk hinter dem Schreibtisch eines Klischees des „reichen, weißen Mannes in einem anonymen Wolkenkratzer“ aussehen würde. Hierbei gehe ich davon aus dass, im Gegensatz zu angeeigneter Kunst von großen Sammlern oder „Fachkonsumenten“, in der breiten Bevölkerung immer noch eine extrem starke Tendenz vorliegt, das Medium der Malerei mit dem Begriff der (zeitgenössischen) Kunst zu verbinden. Das mag an allseits bekannten Tatsachen liegen, die dem dekorativen und alltagstauglichen Aspekt von Flachware inne liegen, sowie in der seit Benjamin beschrieben Aura, die Kunstwerke mit dem persönlichen Federschlag des Künstlers, zu nahezu spirituellen Objekten erheben. Bei hiesigen Kunstmessen scheint Malerei auch noch bei weitem am meisten vertreten zu sein. Hierbei ist auch anzumerken dass die ästhetische Erscheinung dieser Art von Kunstwerken häufig relativ austauschbar ist und sich oftmals in der breiten Kategorie „Abstrakt“ wiederfindet, wobei es relativ wenige objektive Kriterien gibt inwiefern sich eine teure abstrakte Malerei von einem Amateurbild unterscheidet. (Wenn ich mich richtig erinnere gibt es in Ihrem Buch Siegerkunst ebenso einen ähnlichen Vergleich mit Gerhard Richters Bildern) Auch wenn es vermutlich unterschiedlichste Formen der Siegerkunst gibt, mit denen man sich als Sammler profilieren könnte, sah ich die Ausführung als abstrakte Malerei durch ihren breiteren Wiedererkennungswert als „Kunst“ als geeignetstes Medium. Diese Art von Siegerkunst ist nicht nur ein Statussymbol für kunstinteressierte Sammler, sondern schafft eine Brücke zwischen Elitismus, Dekoration und Volksnähe (beziehungsweise eindeutigem Erkennungswert) ohne jegliches Risiko einzugehen. In meiner Ausführung der Malerei habe ich mich hierbei stark an den Verkaufslinien von Marken wie Damien Hirst orientiert die mit seinen Spin- und Spotpaintings leicht reproduzierbare und jeweils individuelle Dekoprodukte geschaffen hat. Produkte die neben den prestigeträchtigen und aufwändigen „Museumsproduktionen“ als leicht verdaubares Anhängsel erworben werden können und in ihrer Form austauschbar sein könnten. Etwas was ich mit Walter Robinsons Begriff „Zombie-Formalismus“ gleichstellen oder so wie Jerry Saltz beschreiben würde: „[Produkte die wirken], als spielten [sie mit] Maler Tonleitern, wie Fingerübungen, denen es an Geist oder harmonischem Kontext fehlt, aus denen Musik erst entstehen kann - visuelle Fahrstuhlmusik, die nicht weiter auffällt.“ (http://archiv.monopol-magazin.de/blogs/der-kritiker-jerry-saltz-blog/2013368/Zombies-an-den-Waenden--Warum-sieht-derzeit-soviel-abstrakte-Kunst-gleich-aus-.html) Bei Damien Hirsts Reihe von Spin-Paintings sticht mir insbesondere die Namensgebung ins Auge, die immer mit „beautiful“ beginnt und mit „painting“ endet. (z.B. „Beautiful, pop, spinning ice creamy, whirling, expanding painting“) Diese Art der Betitelung ist insofern interessant da sie die dekorative Rolle der Malerei von Anfang an offen legt und gar nicht erst hinter einer Mystifizierung verbirgt. Damien Hirst ist sich bewusst, dass diese Art der Bilder auch schon in Kinderkursen gemalt werden, aber entschließt sich, mit einer kompletten Offenlegung des Prozesses, sich dieser Kritik zu entledigen. Eine Technik die in der bildenden Kunst häufig zu finden ist und darin endet dass die Bewusstwerdung von Prozessen das ursprüngliche Produkt wieder legitimiert. Am leichtesten gelingt dies mit dem Mittel der überspitzten Ironie, aber wie auch bei Hirst zu sehen ist, ist dies nicht unbedingt notwendig. Das Gemäldereihe Siegerkunst funktioniert hierbei auf ähnlichem Prinzip. Ein Produkt wird geschaffen und findet seine „Rechtfertigung“ in dem kritisch hinterfragenden Gedankengang seiner Herstellung. Es ist zwar nicht maschinell gefertigt, verfügt aber einen maschinellen Charakter der trotzdem Individualwerke erschafft. Weiters gibt es die Reihe in unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen, die zu unterschiedlichsten Budgets erwerbbar sind und somit den Warencharakter vervollständigt. Ich bin mir nicht sicher ob diese Endlosschleife schlussendlich nur als Gedankenspiel zu einer „Ästhetik des Widerstandes“ führt. (Hierbei zweifle ich nach der letzten Podiumsdiskussion daran ob ich den Begriff tatsächlich richtig verstanden habe, aber ich beziehe mich hierbei auf die Textpassagen in „Siegerkunst“ über Gursky, der mit dem abfotografieren von nordkoreanischen Propagandaveranstaltungen eventuell keine Kritik am System übt, sondern in erweiterter Weise zum Erfüllungsgehilfen des Systems umschlägt. Was bleibt, so habe ich es verstanden, ist eine „Ästhetik des Widerstandes“ die zwar Widerstand vorgibt aber am tatsächlichen System nichts ändert. Schlussendlich mutiert dieser Widerstand dann wieder zu einem Statussymbol, wie das Bild eines kommunistischen Malers im Zimmer eines Bankenvorstandes) Ich stellte in der Podiumsdiskussion die Frage wie man es verhindern kann, dass Widerstand in der Kunst zu einer Ästhetik des Widerstandes verkommt. Worauf ich hiermit hinaus wollte war, dass das Aufzeigen von Kritik eventuell nicht genug ist, da die Kritik immer als Teil des Kunstmarktes neu vermarktet wird. Ebenso wie Kapitalismuskritik innerhalb eines kapitalistischen Kunstmarktes en vogue ist um aufzuzeigen dass man als Käufer oder Betrachter ohnedies den „korrupten“ Markt durchschaut hat. Auf gleiche Weise „missbrauche“ ich das Buch Siegerkunst für Herstellung eines Werkes, um wieder eine Metaebene höher hinauszuschlüpfen, bin aber schlussendlich in dem selben System gefangen wie auch alle Künstler vor mir, die Kritik am Kunstsystem/Kapitalismus oder sonstigen Gesellschaftsthemen aussprechen. So viel zu meinen Überlegungen, ich hoffe ich habe ihr Buch hierbei nicht missinterpretiert! Im Anhang mehrere Ansichten des Werkes mit einem zusätzlichem Bild von mir, zur Demonstration der Größe und Hintergrundtauglichkeit Mit freundlichen Grüßen, Kai Trausenegger
artists
Kai Trausenegger
date and location
date
2019-10-24
material
Oil, aluminium, Steel
dimensions
200cm x 200cm