Teachers and Employees

Logar, Ernst wiss. Mitarb. Mag.art.

title
Reflecting Oil - Workshop XXV
subtitle
George Osodi
type
FWF PEEK Project
keywords
photography
texts
Rayyane Tabet studierte Architektur an der Cooper Union, New York, und Fine Art an der University of California, San Diego. Er lebt in Beirut und San Francisco. Zur Zeit des libanesischen Bürgerkriegs 1983 geboren, wuchs Tabet in der Zeit des Wiederaufbaus mit vielen Geschichten, die die wirtschaftliche Stabilität des Landes vor dem Konflikt romantisierten, auf. Schließlich begab Tabet sich auch deshalb auf die Entdeckungsreise zu einem einzigartigen Forschungsobjekt: der Transarabischen Pipeline. Im Februar 1945 vereinbarten die USA und Saudi-Arabien, dass Saudi-Arabien Öl für die USA sichern und die USA im Gegenzug politischen Schutz gewähren würden. Zu dieser Zeit erreichte das aus Saudi-Arabien exportierte Öl das Mittelmeer durch Meerengen, die die Arabische Halbinsel umgeben. Mit dem Bau der Transarabischen Pipeline und dem Ziel, das Öl schneller und sicherer aus Saudi-Arabien zu transportieren, führte zur größten amerikanischen Investition außerhalb der USA. Diese Pipeline sollte Saudi-Arabien auf dem Landweg in einer geraden Linie durch Saudi-Arabien, Jordanien und Palästina mit dem Mittelmeer verbinden. Nach dem UN-Teilungsplan für Palästina von 1947 wurde die Pipeline stattdessen nach Norden abgewinkelt, durchquerte Syrien und endete im Libanon. Von 1950 bis 1983 wurden mehr als 50% des saudischen Öls über die Transarabische Pipeline exportiert. Tapline, das zur Verwaltung der Pipeline gegründete Joint Venture der US-Unternehmen Chevron, Standard Oil und Texaco, hatte Tausende Mitarbeiter*Innen an seinen Geschäftsstellen auf der ganzen Welt. Dadurch entstand eine neue, aufstrebende Gesellschaftsschicht und änderte die Psyche des Nahen Ostens. Tabet hat den Großteil seiner Recherchen über die Pipeline zwischen 2007 und 2012 durchgeführt, weltweit verstreutes Archivmaterial zusammengetragen, mit ehemalige Mitarbeiter*Innen gesprochen, leerstehende Standorte besucht, und exklusiven Zugang zu den Büros des Unternehmens in Beirut bekommen, die seit dem Zusammenbruch von Tapline im Jahr 1983 versiegelt waren. Die auf diesen Recherchen beruhenden Arbeiten aus architektonischen und skulpturalen Perspektiven, wurden erstmals 2013 in der Ausstellung The Shortest Distance Between Two Points in der Sfeir-Semler Gallery (Beirut) gezeigt. Daraus entstand seither ein fortlaufendes kontextbezogenes Projekt. Basierend auf Minimalismus und Konzeptkunst wird die stillgelegte Pipeline sowohl als Infrastruktur als auch als potenzielle Skulptur betrachtet. Tabet untersucht das Potenzial von Objekten, und besonders der Infrastruktur, die radikale Veränderungen der Region bezeugt. Ist es möglich, die Geschichte der Region durch ihre Objekte zu erzählen? Und wie wird die Geschichte der Region aus der Perspektive der Pipeline erzählt, die selbst physisch die Änderungen der Grenzen ausdrückt? Diese Fragen führen zur Erforschung des formalen und geometrischen Potenzials der Pipeline in ihrem geopolitischen Kontext. Mathematik wurde als universelle Sprache verwendet, um die Kommunikation zwischen den mehrsprachigen Mitarbeiter*Innen von Tapline zu erleichtern, beispielsweise in einem Nummerierungssystem, um die geografische Lage jedes Pipeline-Segments auszudrücken. Dies spiegelt eine Abstraktion von den tatsächlichen Gebieten, in denen die Pipeline betrieben wurde, wider und könnte, so spekuliert Tabet, eine Rolle beim Scheitern des Pipelineprojekts gespielt haben. In der Geometrie ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Punkten eine gerade Linie, aber in der Geopolitik hängt die kürzeste Entfernung von den Arbeitsbedingungen ab. The Shortest Distance Between Two Points ist eher eine Einladung über die Zukunft als über die Vergangenheit nachzudenken, ein „Mechanismus der Vorahnung“, der uns mit unbegreiflichen Ruinen der Zukunft konfrontiert. , Nigerian photographer George Osodi presents the major ongoing photographic project that he initiated 20 years ago: the documentation of the impact of oil on the communities of the Niger Delta, Africa’s most important oil-producing region. Niger Delta communities were told at the outset that oil, which has been extracted from the region since the 1950s, was going to bring prosperity and positive effects. They had no idea then that what they regarded as a commodity was going to turn into a poison in the end. In the late 1990s, searching for a medium to narrate his experience of the damaging effects of oil in the region he grew up in, Osodi turned to photography. At the time, there was little visual representation of the region. The Niger Delta is marked by a traumatic past linked to the transatlantic slave trade era, a period when the region’s coastline served as a zone whence enslaved Africans were shipped across the Atlantic. The Niger Delta is also well-known for its palm fruit. Indeed, before the production of crude oil triggered the decline of the country’s agricultural sector, palm oil was Nigeria’s major economic resource. In the early 1960s, the country was the leading exporter of palm oil. The late 1960s and early 1970s saw the ‘black gold’ boom era when the Western world, thirsty for oil, focused its gaze on Nigeria. The oil money generated during this period helped to install a new dynamic, characterized by a desire for wealth and expensive lifestyles, changing the country completely. An elite emerged and corruption started to escalate. Now that it has lost its farming culture, Nigeria is solely dependent on oil. Although oil money was used to build roads and bridges in Nigeria, only a small portion of this money comes back to the Delta region where the oil is extracted from. The region has not benefited from the construction of schools and hospitals; its peoples have been left impoverished with no opportunities, trying to make ends meet. In the Delta region, like elsewhere in Africa, communities are experiencing a disturbing and unpalatable situation. Osodi’s photographic approach is highly aesthetic as he aims to make them beautiful and appealing in order to grab people’s attention so that they will see and relate to what is ultimately a very dystopian subject. He feels that the more people engage with the narratives behind his photographs, the more the awareness needed to enact change will be raised. By making the Delta region visible, Osodi invites us to reflect on the provenance of the oil we consume and the impact of our oil consumption upon the environment and communities. Osodi’s photographic project is a political one, and he aims to continue until there is positive change for the region. He does not want Nigeria to keep on depending on oil.
project lead
Ernst Logar
project partners
Montanuniversität Leoben Department Mineral Resources and Petroleum Engineering, Petrocultures research group
funding
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung
funding category
Programme for Arts-based Research (PEEK)
contributors
Osodi, George
date
date
2021-05-18 – 2021-05-18
URL