Teachers and Employees

Logar, Ernst wiss. Mitarb. Mag.art.

title
Reflecting Oil - Workshop XI
subtitle
Kat Válastur
type
FWF PEEK project
keywords
Choreografie, Aserbaidschan, Baku
texts
Die in Berlin lebende Künstlerin Kat Válastur stellt ihre Choreografie OILinity aus 2016 vor, die von ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in Baku, Aserbaidschan, inspiriert ist. Sie entdeckte, dass in Baku alles von Erdöl bestimmt war und auch ihr eigener Körper dadurch definiert wurde. Sie zieht eine Parallele zwischen dem Konsum von Erdöl und Blut: „Es war, als ob Blut von Erdöl verbraucht wurde“. OILinity reflektiert diese Beziehung, indem es Öl als Metapher für Schwarze Galle verwendet. Schwarze Galle wird von unserem Organismus produziert und repräsentiert Melancholie im auf die Humorallehre der griechischen Antike zurückgehenden europäischen Denken. Während wir Galle produzieren, produziert die Erde Öl. Wie erleben und spüren wir die Probleme, die unsere heutige Gesellschaft betreffen, wie globale Erwärmung und Krieg mit unserem Körper? „Spinning Melancholy“, eine motorisierte Maschine, die im Zuge der Performance enthauptet wird und Dringlichkeit ausdrückt, ist ein Schlüsselobjekt, um die Ideen in OILinity zu vermitteln. Phallisch stellt es auch ein Machtsystem dar. Andere Objekte wie Unterstand und Kriegshelm beziehen sich auf ein ökonomisches System. Die Darstellenden tragen das gleiche militärische Muster wie der Unterstand (und werden so unsichtbar). Dieses Muster, das hier sowohl Krieg als auch Geld vermittelt, adaptiert das Acanthus-Musters des britischen Textildesigners William Morris (1834-1896), das auf seine Kritik an der Industriegesellschaft verweist. Für das Tanzvokabular von OILinity hat Kat Válastur ein Archiv von Bewegungen zusammengestellt, die Motorisierung in Bezug auf die Konzepte von Energie und Macht ausdrücken. Die Choreografie führt die zirkulierende Bewegung der Wirtschaft vor und stellt auch mit Körpern, die sich durch Erdöl bewegen, ein Kriegsspiel auf der Bühne nach. Sie entwickelte ihre Bewegungen ausgehend von einem eindringlichen inneren Geräusch in ihrem Körper. Dieses Geräusch und die Substanz selbst (obwohl sie kein echtes Rohöl verwendete) erzeugten die Bewegung. OILinity wurde von Geräuschen geleitet, die mit Plastiktüten hergestellt wurden und sich äußerst real anfühlten. Geräusche eröffnen einen Raum zum Nachdenken. Sie haben Zauberkraft, indem sie eine Sache in etwas anderes verwandeln können, ohne die Verbindung zur Originalquelle zu verlieren. In OILinity fühlen die Geräusche sich an, als kämen sie von innen und schaffen somit eine unmittelbare Verbindung. Für Kat Válastur ist das Unterbewusstsein unserer Psyche in Erdöl vorhanden, wie es in jedem künstlerischen Prozess der Fall ist. Die zugrunde liegende Frage ihrer Arbeit lautet: Was ist die Ethik?, Berlin-based artist Kat Válastur presents her 2016 choreography OILinity, which was inspired by her time living in Baku, Azerbaijan, for six months. She discovered that in Baku everything was defined by oil and that her own body was defined by it too. Drawing a parallel between oil consumption and blood, “it was as if blood was consumed by oil”. OILinity reflects on this relationship by metaphorizing oil with black bile. Black bile is produced by our organism and represents melancholia in European thought going back to the Ancient Greek concepts of humours. While we produce bile, the earth produces oil. How do we experience and sense the problems affecting our society today, like global warming and war, through our physicality? “Spinning melancholy,” a motorised machine which gets decapitated and conveys a sense of urgency, is a key object to convey these ideas in OILinity. It is also phallic and conveys a power system. Other objects, like the shelter and war helmet, link to a system of economy. The performers wear the same military pattern as the shelter (rendering them invisible). This pattern, here conveying both war and money, is an adaptation of British textile designer William Morris’ (1834-1896) Acanthus pattern, referencing his critique of industrial society. For the dance vocabulary of OILinity, Kat Válastur created an archive of movements conveying motorization related to the concepts of energy and power. The piece performs the circulating movement of the economy and also recreates a wargame on stage, featuring bodies moving through oil. She developed her movements starting from an internal sound inside her body which she found penetrating. This sound and the substance itself (though she did not use real oil) generated the movement. OILinity was thus guided by sound, which was made using plastic bags and felt extremely real. Sound opens up a space for thought. Sound has magic: it transforms one thing into something else without losing the connection with the original source. Sound in OILinity feels as if it comes from inside, creating an immediate connection. For Kat Válastur, the subconscious of our minds is present in oil as it is in every artistic process. The underlying question of her work is: What are the ethics?
project lead
Ernst Logar
project partners
Montanuniversität Leoben. Department Mineral Resources and Petroleum Engineering, Petrocultures research group
funding
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung, Austrian Science Fund, Projekt AR 547.
funding category
Programme for Arts-based Research (PEEK)
contributors
Kat Válastur
guest
date
date
2020-09-03 – 2020-09-03
URL