Teachers and Employees

Hanzer, Markus Univ.-Lekt. Mag.

Vorträge
Wenn wir davon überzeugt sind, unseren Umgang mit den verfügbaren Ressourcen zum Wohle der Menschheit radikal ändern zu müssen, so stellt sich für Markus Hanzer die Frage – woher glauben wir zu wissen, was für wen zu viel und was zu wenig ist? So notwendig und klar ein allgemeines Bekenntnis zur Reduktion zu sein scheint – sobald es darum geht, konkrete Entscheidungen zu treffen und Konsequenzen zu ziehen, zeigen sich erstaunliche Differenzen in den unterschiedlichen Weltbildern über die Rechte, Pflichten und Aufgaben der Menschen. Aus der Geschichte haben wir gelernt, dass die Aufforderung zur Genügsamkeit schon oft von jenen propagiert wurde, die auf diese Weise auf ihre Rechnung kamen. Wenn also weniger mehr ist, dieses MEHR jedoch kein Begehren auslöst, so mangelt es offensichtlich an überzeugenden Bildern in unseren Köpfen. Die Idee, Wettbewerb und Wachstum seien die Basis, um ein Paradies auf Erden zu schaffen, beherrscht weite Teile der Welt. Jene Zeichen, die uns zu einem MEHR UND MEHR verführen, scheinen wirkungsvoller zu sein, als alle Versuche, uns unsere Verantwortung für unser Handeln bewusst zu machen. Welchen Beitrag könnte Gestaltungsarbeit leisten, damit wir Lust bekommen uns mit den Konsequenzen unserer Lebensführung auseinanderzusetzen? Hanzer zeigt an Beispielen, dass Design heute in vielen Fällen die Funktion besitzt Hintergründe und Zusammenhänge zu verdecken und zu verschleiern und es daher in einer technischen, von "abstrakten" Beziehungen geprägten Welt immer schwerer wird zu verstehen, welche Folgen unser Handeln nach sich zieht. Bei dem Konsum von Waren und Dienstleistungen wissen wir oft nicht, unter welchen Bedingungen diese entstanden sind oder möglich gemacht wurden. Verantwortung können wir jedoch nur dann übernehmen, wenn wir zumindest eine Ahnung davon bekommen, was wir zu verantworten haben. Markus Hanzer hegt deshalb die Vermutung, dass der Weg zu einem wacheren Blick auf die Folgewirkungen unseres Handelns nicht zwangsläufig durch eine "reduzierte", also minimalistische Gestaltungssprache zu erreichen ist. Auch der beliebte Trend zu radikalen Vereinfachungen ist hoch riskant und führt vorwiegend zur Verschleierung von Sachverhalten und zur Radikalisierung von Standpunkten. Um jene Probleme zu lösen, die wir als drängend erachten, wird es immer notwendiger auch komplexe Zusammenhänge so aufzubereiten, dass wir damit umgehen können. Gefragt ist daher die Entwicklung von Gestaltungssprachen, die uns den Blick auf Zusammenhänge nicht verwehren, sondern uns helfen, Strukturen zu erkennen und sinnlich zu begreifen. Was zählt ist am Ende allerdings unsere Bereitschaft, unsere Augen und Ohren und alle Sinne zu öffnen, um die Welt um uns, nicht nur aus der Nähe, sondern auch aus einem gebührenden Abstand zu betrachten. Junge Menschen schauen sehr genau darauf, in welchem Zustand die ältere Generation ihnen die Welt überlässt und wird diese noch stärker in die Verantwortung nehmen. Wenn der Schlüssel zum Glück in unserer Genussfähigkeit zu finden ist, dann macht es Sinn, meint Markus Hanzer, dass wir wieder lernen, jene Dinge und Umstände zu genießen, zu denen wir bereits jetzt Zugang haben.
Titel der Veranstaltung: Designsymposium – Reduktion in Gestaltung, Design und Architektur
Titel des Vortrags: XXL – mehr geht nicht / XXS – weniger geht nicht (Vortrag auf Einladung)
Datum: 21.10.2010
Link: http://ethify.org/