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Weber, Johannes ao. Univ.-Prof. Dr.phil.

title
Romanzemente als Fassadenbaustoffe der Gründerzeit
type
conference proceedings
keywords
Conservation and Restoration, Electron microscopy, Materials physics
texts
description
In vielen europäischen Regionen spielten sogenannte Romanzemente, d.s. bei niedrigen Temperaturen erbrannte Naturzemente, für das Bauwesen und die Fassadengestaltung des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle. Für gewöhnlich haben sich diese Romanzementmörtel bis heute hervorragend erhalten. Zum Zweck einer besseren Kenntnis des historischen Produktionsprozesses sowie der Mörtelbereitung und des Eigenschaftsprofils wurde eine Reihe von Romanzementmörteln aus historischen Fassaden untersucht. Neben der Messung physikalisch-mechanischer Kennwerte wurden mikroskopische und raster-elektronenmikroskopische sowie chemisch-analytische und röntgenographische Verfahren eingesetzt. In den unhydratisierten Relikten im Zementstein dieser Mörtel wurde eine Reihe von Phasen des Systems Ca-Si-Al nachgewiesen, wie v.a. CS (Wollastonit), C2S3 (Rankinit), C2S (Larnit bzw. Belit) und C2AS (Gehlenit), sowie zahlreiche Mischphasen ohne eindeutige stöchiometrische Zusammensetzung. Ihre Korngröße und Feinstruktur hängt vom jeweiligen Brenngrad ab. Dabei erwies sich als eines der charakteristischen Merkmale von Romanzementen deren weitgestreute Palette an unterschiedlich stark gebrannten Klinkern. Aufgrund ihrer Menge und zum Teil beträchtlichen Korngröße kommt den Relikten offensichtlich eine wichtige Rolle für die Mörteleigenschaften zu. Die Art des Zuschlags in Romanzementmörteln entspricht den örtlichen geologischen Gegebenheiten. Gussmörtel unterscheiden sich von Fassadenzug und Putzmörteln durch unterschiedlich hohe Bindemittel-Zuschlag-Verhältnisse, die grundsätzlich vergleichsweise hoch sind. Der Magerungsgrad scheint keine Auswirkung auf den Erhaltungszustand oder die Häufigkeit von Schwundrissen zu haben, wohl aber auf die jeweilige Mörtelfestigkeit: geringe Zuschlagsmengen lassen sich mit hohen Druckfestigkei-ten bei eher niedrigem Elastizitätsmodul korrelieren. Die Gesamtporosität der Mörtel ist im allgemeinen überraschend hoch. Der Beitrag bringt zunächst einen Abriss der Geschichte von Produktion und Einsatz von Romanzementen, beschreibt dann die Zusammensetzung und das typische Eigenschaftsprofil der historischen Mörtel und diskutiert zuletzt die Ergebnisse in Hinblick auf den hervorragenden Erhaltungszustand von Romanzementmörteln.
authors
Johannes Weber
date
2007-03-09
location
Wien (Österreich)
published in
title
Tagungsband zum WTA-Tag, Wien 09.03.2007