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Weber, Johannes ao. Univ.-Prof. Dr.phil.

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Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte: Histor.Mörteltechn.v.d.Antike bis ins 20.Jh.
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speech
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Archaeometry, Conservation and Restoration
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In allen Kulturen stellt die Entwicklung der Mörteltechnologie einen wesentlichen Faktor für den Stand des Bauwesens dar. Dies gilt gleichermaßen für Putze und Bewürfe, wie für jede Art von Mauer- oder Gussmörteln. Putze bilden für gewöhnlich mehrlagige Systeme, deren Aufgabe es ist, sowohl den Kontakt zum Mauerwerk herzustellen und gleichzeitig dieses zu schützen als auch Träger der Wanddekoration zu bilden, während Mauermörtel in Abhängigkeit von ihrer spezifischen Funktion ein größeres Eigenschaftsspektrum abdecken können. Da die jeweilige Technologie einem zeitlichen Wandel unterworfen ist, kann das Studium von Mörteln für die relative Datierung innerhalb eines Gebäudekomplexes oder einer Anlage hilfreich sein. Im Unterschied zu verschiedenen Analyseverfahren, welche auf der Lösung oder Zerkleinerung von Probenbestandteilen beruhen, bleiben bei der Herstellung von Schliffen die Beziehungen der verschiedenen Schichten zueinander, das System aus Rissen und Makroporen, die verwendeten Bindemittel- und Zuschlagsarten, sowie insgesamt die räumlichen Beziehungen zwischen allen Komponenten und Gefügephänomenen erhalten. Häufig liegt diese Information tief unter der Sichtfläche eines Gebäudeelements und ist deswegen nichtinvasiven Untersuchungsmethoden verwehrt. Von besonderem Interesse ist das Bindemittel als Schlüssel zum Verständnis zur Natur des gebrannten Rohstoffs, zu den Brenn- und Löschbedingungen, zur Verarbeitung und nicht zuletzt zu den physikalisch-mechanischen Mörteleigenschaften. Dabei sind es stets die nichtreaktiven, reliktischen Bindemittelbestandteile, die Aussagen über die generelle Produktionstechnologie liefern und oft erst eine korrekte Klassifizierung des Mörteltyps erlauben, während das Mikrogefüge des reaktiven Anteils Reaktionsmechanismen und petrophysikalische Eigenschaften erschließt. Besonders bei Mörteln der Neuzeit ermöglicht das Studium reliktischer Zementkörner vielfältige Einblicke in den jeweiligen Stand der Zementtechnologie in Hinblick auf Brenn- und Mahlprozesse. Der Beitrag widmet sich der Analyse polierter petrografischer Dünnschliffe von charakteristischen Mörteln der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert, welche die methodisch beste Herangehensweise zum Studium der Mörteltechnologie unter Einbeziehung aller Schichten in ihrem stratigrafischen Zusammenhang bietet. Ein derartiger Dünnschliff kann mit Polarisationsmikroskopie (PLM) ebenso analysiert werden wie mittels Rasterelektronenmikroskopie (REM) und verschiedenen spektroskopischen Techniken wie energiedispersiver Röntgenspektroskopie (EDS), Infrarot-(FTIR) und Ramanspektroskopie. Der Umstand, dass alle diese Untersuchungen an ein und demselben Probenpräparat vorgenommen werden können, erlaubt die Korrelation verschiedener Messresultate, was der Ergebnisinterpretation zugutekommt. Die Resultate aller genannten bildgebenden Techniken können in Form kombinierter Bilder gemeinsam interpretiert und mit bildanalytischer Software quantitativ ausgewertet werden.
Lecturers
Johannes Weber
title of event
Jahrestagung 2019 Archäometrie und Denkmalpflege
organisers/management
Arbeitskreis Archäometrie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)
contributors
A. Baragona
contribution
F. Pintér
contribution
date, time and location
date
2019-09-11 – 2019-09-13
location
Wien (Österreich)
URL