Lehrende und MitarbeiterInnen

Strecker, Lucie wiss. Mitarb. MMag.

Externe Lehre
BioActs/BioActivism Körperflüssigkeiten, Körpersubstanzen bestimmen als Material und Fragmente des Organismus die Performance Kunst. Die Molekularbiologie und ihre biotechnologischen Methoden erweitern nunmehr das Spektrum, stellen neue Anforderungen an die Performancekünstler_innen und an das Publikum, das zu partizipierenden teilnehmenden (Gesellschafts-)Körpern wird. Arbeitssituationen und Versuchsaufbauten kommentieren das schöpferische Potential der Biowissenschaften, indem Künstler_innen Elemente der Wissenschaften in ihre Arbeiten integrieren. Biotechnologische Verfahrensweisen in den Künsten verschieben die inneren und äußeren Grenzen des Körpers, transformieren ihn zu biologisch funktionierenden Einheiten auf molekularer und zellulärer Ebene. Im ontologischen Körper wuchern Bakterien, Zellen und Pilze, die mittels technologischer Verfahren visualisiert und isoliert, als Körperfragmente zu Datenträgern und Speichermedien, schließlich zu Stellvertretern der Identität gemacht werden. Die Politik schlägt in verkürzter und manipulativer Weise Kapital aus den biogenetischen Analysen, verwendet z.B. den Sexualhormonspiegel von Männern um vor der Gefahr toxischer Männlichkeit von Immigranten zu warnen. Biopolitiken – so der von Foucault geprägte Begriff – üben in und über Regierungsformen mitunter auch Macht über Leben und Körper aus, die zu künstlich kontrollierten Objekten mutieren. Artistic research gibt Einblick durch Diskussion und teilnehmende Beobachtung in Fragestellungen künstlerischer und politischer Implikationen im Kontext von Mikroperformativität, von biotechnologischen Live-Installationen an der Schnittstelle von Kunst, Biotechnologie und Politik. Durch die Kooperation mit der Künstlerin und Forscherin Lucie Strecker, die das FWF Forschungsprojekt ‚Zur Performativität des Biofakts’ leitet‚ in Kooperation mit der Art & Science Klasse der Angewandten Universität Wien, sowie Klaus Spiess, Leiter des Art&Science Programms der Medizinischen Universität Wien und der selfsightseeing company (Bastian Petz und Johannes Lernpeiss), sollen Theorie und Praxis von Mikroperformativität und BioActs erforscht werden. Student_innen werden Gelegenheit haben an einem Symposium dieses Forschungsprojekts an der Angewandten und an begleitenden künstlerischen Laboren (Dezember 2018) teilzunehmen. Als Vorbereitung auf das Symposium Applied Microperformativity: Live Arts for a Radical Socio-Economic Turn werden historische Traditionslinien, das Bewusstsein für die Verbindung von Wissenschaft und Kunst, Tendenzen und eine Einführung in den Begriff der Mikroperformativität erfolgen. Darüber hinaus geben Bastian Petz Und Johannes Lernpeiss einen performativen Einblick in ihr Projekt:„Testotoxic – Intervention into masculinity“ in welchem molekulare Grundlagen konstruierter männlicher Körperbilder thematisiert werden. Die Entwicklung eines Arsenals an Gesten, Posen und Bewegungssequenzen folgt dem Schema von Eigenem und Fremden, legt Kategorien der systemimmanenten Herrschafts- und Machtinstanzen frei. Künstlerische und wissenschaftliche Forschung legen die Mikroperformativität und ihre hybriden Spielformen gleichsam unter das Mikroskop, etablieren Wahrnehmungsweisen und spezifische Sichtweisen und damit Lebensweisen.
Bezeichnung: Gastdozentin
Einrichtung: Universität Wien, Wien (Österreich)
Zeitraum: 08.10.2018 bis 06.01.2019
Mitverantwortlich: Brigitte Marschall, Bastian Petz
Link: http://https://ufind.univie.ac.at/en/course.html?lv=170731&semester=2018W