Lehrende und MitarbeiterInnen

Dusl, Andrea Maria Univ.-Lekt. Mag.art. Dr.phil.

Öffentliches (mediales) Erscheinen künstlerischer Arbeiten
Benedikta hiess sie, Schwester Benedikta. Nicht Paula, nicht Roswitha, nicht Gertrud, nicht Helga. Ihr Körper war von schwarzem Tuch verborgen. An ihrem Finger steckte, wie an den Fingern ihrer Mitschwestern, ein goldener Ring. Schwester Benedikta war, wie ihre Mitschwestern auch, Ehefrau des Heilands, Jesu Christi, des Gottessohnes, des Auferstandenen, seinen Leib würden wir aufnehmen, wenn es soweit sei, sein Blut trinken. Der Ring war nicht bloss der Ring, der Ring war das sanctum praeputium. Die Vorhaut Jesu, wie eine von uns herausgefunden hatte, im Heiligenlexikon ihres Onkels. Den Ring konnte man spüren. Wenn Schwester Benedikta Schläge austeilte, wegen unerlaubtem Flüsterns, wegen verbotenem Tratschens, wegen Sprechens in der “stummen Pause”. Der goldene Ring, die Vorhaut Jesu, hart und kalt, hinterliess eine kurze Spur des metallischen Schmerzes, wenn Benediktas flache Hand, von hinten über unsere Hinterhäupter zog. Oft.
Titel der Produktion: Benedikta (2014 / Live-Präsentation)
Datum des Erscheinens: 24.03.2013
Medium: Protestlesung, Schauspielhaus Wien, Wien (Österreich)
Link: http://bureau.comandantina.com/archivos/2013/03/von_taetern_und_opfern_protestlesung_24