Lehrende und MitarbeiterInnen

Dusl, Andrea Maria Univ.-Lekt. Mag.art. Dr.phil.

Medienbeiträge
Er steht da, nackt bis auf einen Lendenschurz. Das schweißgetränkte Haar fällt in dunklen Locken in seinen Nacken. Seine Arme sind mit festen Seilen nach hinten gebunden, auch an den Knöcheln ist der Mann an die ruinösen Reste einer römischen Marmorsäule gefesselt. Sein Blick geht nach oben, fragend, zweifelnd. Mantegnas Sebastian von 1480 - Verstörung löst die zentrale Unübersehbarkeit des Bildes aus: Der Bleiche ist gespickt mit Pfeilen. Lange, dünne Spieße, aus vielen Richtungen in den Körper des Mannes geschossen. Sie stecken in den Weichteilen, in Hüfte und Brust, durchbohren die Beine an mehreren Stellen und weisen in die vielen Richtungen, aus denen sie abgeschossen wurden. Bei genauerer Betrachtung ist der Märtyrer, wörtlich: Zeuge, jener Ort, an dem sich Täter, Opfer, Zusehende und Bild-Betrachter begegnen. Das Bild stellt diese Beziehung her, ja, erzeugt sie erst. Das Bild macht die Betrachter des Bildes ebenfalls zu Zeugen. In letzter Konsequenz sie nicht nur Empathieverbündeter des Opfers, sondern Täter und Täterin. Die Tat wird nur um des Bildes Willen gesetzt wird.
Titel des Beitrags: Der Märtyrer
Name des Mediums: Sazburger Nachrichten (Print)
Programmschiene / Rubrik: Osterbeilage 2015
Datum: 04.04.2015
Link: http://bureau.comandantina.com/archivos/2015/04/der_maertyrer.php