Lehrende und MitarbeiterInnen

Salzmann, Karl Mag.art.

Titel
Rotation/Notation
Typ
Einzelausstellung
Schlagwörter
Bildende Kunst
Texte
Beschreibung
Karl Salzmann Rotation/Notation (Text von Roland Schön) Wie Sound, wie Klang, Lärm und Geräusch von der Avantgarde als Material, als Medium und somit als eine wesentliche neue Bedeutungsebene seit dem frühen 20. Jahrhundert in den Zusammenhang künstlerischer Produktion einbezogen wurden, das reflektiert Karl Salzmann in seinem Œuvre auf verschiedenen Ebenen aus dem Erfahrungshorizont der Gegenwart heraus. Als Künstler aus dem Kontext digitaler und medialer Verfahrensweisen mit expliziter Affinität zu Pop, DJ-Culture und subkultu- rellen Strömungen nähert sich Salzmann der Dimension von Sound nicht allein als hörbares sowie räumlich und zeitlich erfahrbares Phänomen. Er greift ebenso visuelle und architektonische Aspekte auf, wenn er etwa in seiner aus mehreren Einzelelementen mit Schalltrichtern bestehenden Soundinstallation ignoto­ rumori (2013) auf die geräuscherzeugenden Objekte des Futuristen Luigi Russolo Bezug nimmt, wenn er im Werk correlation (2013) das Motiv des Ventilators aus zeitgenössischen Installationen und dem Bereich der Soundart weiterführt, wenn er Turntables einsetzt oder mit wall of sound (2011) durch Anbringen mehrerer Hundert Rave-Schallplatten der 1990er-Jahre an der Wand eines Wiener Clubs in der Art eines Christian Marclay die kultisch-mythische Bedeutung der Vinyl-Scheibe als Tonträger reaktiviert. Stets führt diese Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Repräsentationsformen von Sound zu Updates und Modifikationen und somit zu neuen Interpretationen signi- fikanter kultureller Narrative. Beispielsweise versah Salzmann sein Environment, das an die berühmten Klangobjekte Russolos erinnert, im Inneren mit diversen Elektronik- Devices wie Festplatten, Monitoren oder überhaupt gleich Computern und transfor- mierte deren elektromagnetische Eigenaktivität in eine unentwegt hörbare Kompo- sition. In seiner aus mehreren Plattenspielern bestehenden Installation unerwartete schleifen wiederum dekontextualisierte er die ursprüngliche Bedeutung analog abgespeicherter Musikaufnahmen, indem er die repetitiven Klangmuster beschädigter Schallplatten als Material für eine digital generierte Komposition nahm. Ähnlich wie Salzmann Turntables als sonische Maschinen oder Russolos Intonarumori als Ikonen der Klangerzeugung in der Moderne in den Fokus rückt, verfährt er in seiner räumlich-installativen Arbeit Rotation/Notation mit Steve Reichs Werk Pendulum Music aus dem Jahr 1968, das emblematisch für die Einführung des Minimalismus als Konzept der akustischen Avantgarde in die Neue Musik steht. Programmatisch waren neben Bruce Nauman und Michael Snow der Pionier der elektronischen Musik, James Tenney, und der mit industriellen Materialien wie Stahl arbeitende Bildhauer Richard Serra an einer frühen Aufführung von Reichs Originalversion des Stücks im Whitney Museum beteiligt. Technisch basiert es auf dem parallelen Zusammenspiel von zwei, drei oder vier Mikrofonen, die an ihrem Kabel aufgehängt jeweils über einem Laut- sprecher hin und her pendeln, wobei in sukzessive kürzer strukturierten Intervallen Feedback-Schwingungen erzeugt werden. Genau in einer historischen Phase also, in der das Feedback in der kommunikativen Dyade zwischen E-Gitarre und Bühnenlaut- sprecher zu einem wesentlichen Moment der Rock-Improvisation avancierte, während die kompositorische Musik zunehmend elektronische Klänge einbezog und sich in Richtung Aleatorik öffnete, hatte Steve Reich auf diese Weise Prozesse der Klang- erzeugung durch Vereinfachung und Verlangsamung auf visueller und akustischer Ebene verdeutlicht und so einen der Übergänge Richtung Minimal Music geschaffen. Der Kultstatus des Stücks manifestiert sich nicht zuletzt in einer Aufnahme der Band Sonic Youth auf deren Album Goodbye 20th Century. Selbst experimentell in der Sphäre des Klanges forschend, setzt Karl Salzmann mit Rotation/Notation dem Konzept des Steve Reich eine Hommage und führt dessen Grundideen als Soundinstallation in ein neues Medienformat über. Mit einem durch einen kleinen Motor dynamisierten und ständig in Bewegung gehaltenen Mikrofon, das in unregelmäßigen Bewegungen über 16 Lautsprechern schwingt, die gruppen- weise von vier Verstärkern angesteuert werden, schafft Salzmann eine sich permanent in neuen Schleifen weiter generierende apparative Komposition. Während sich die mehrkanaligen Sounds modulierender Frequenzverhältnisse nach dem Prinzip der Rückkopplung aufbauen, überlagern und stufenweise wieder abklingen, deuten die Bewegungen des Mikrofons nicht nur ihr klanggeschichtliches und künstlerisches Referenzfeld an, sondern zeichnen auch die physische Topografie der sich wandelnden sonischen Formationen nach.
Künstler*innen
Karl Salzmann
Datum, Eröffnung und Ort
Datum
2013-09-28 – 2013-12-01
Ort
Graz (Österreich)
Ortsbeschreibung
Kunsthaus Graz
URL