Lehrende und MitarbeiterInnen

Mateus-Berr, Ruth Univ.-Prof. Dr. phil. Mag. art.

Titel
Wiener Gerücht/Projekt von eop
Typ
Gruppenausstellung
Schlagwörter
Fachdidaktik, Bildende Kunst, Medienforschung, Erziehungswissenschaften, Kunstpädagogik
Texte
Beschreibung
WIENER GERÜCHT. DAS PRIVATE UND DAS ÖFFENTLICHE. Eine Themenausstellung mit Wienbezug im MUSA, 8. – 15. Oktober 2009 TITEL: GERUCH(t) von Wien/Ruth Mateus-Berr Das Geru?cht um den Geruch des Heimatbegriffs von Wien oder warum jetzt alle Fliedersträuche und Rosskastanien aus der Bundeshauptstadt entfernt werden. GERUCH & GERÜCHT Als Tast- und Duftforscherin von Wien1 thematisiere ich den GERUCH und das GERÜCHT. Geruch und Geru?cht entspringen einer ähnlichen etymologischen Wortwurzel: Ruch2 (mhd) Duft, Ausdu?nstung, Geschrei PRIVAT & ÖFFENTLICH Ein Geruch und dessen Wahrnehmung ist etwas höchst Privates und subjektiv in der Rezeption, weil er mit persönlichen Assoziationen verbunden wird. Ein Geru?cht ist öffentlich, weil es Privates in die Öffentlichkeit verdunstet, ausdunstet. Zugleich war GERUCH auch immer Kennzeichen fu?r Gefahr (Krankheit) und wurde aus städteplanerischen Desodorisierungs-Strategien und bu?rgerlichen Idealvorstellungen aus der Stadt verbannt. Auch das GERÜCHT wurde als Geruchte (Not- und Hilfgeschrei, das bei der Ertappung eines Verbrechens auf frischer Tat eingesetzt wurde)3 in einem Gefahrenkontext verwendet. Man nimmt etwas an und verbreitet es ohne Vergewisserung um dessen Wahrheit oder Originalität oder erfindet mit Strategie. Ebenso verhält es sich bei Geru?chen. Nur lang ausgebildete Parfumeure erkennen die Hauptnoten eines Geruches. Nicht geschulte Nasen erahnen eine Note und interpretieren sie mit einer Annahme, einem Geru?cht. Im Chinesischen sind die Schriftzeichen fu?r Geruch: Ein Ohr und ein Tor. Diese Zeichen wiederholen sich auch im Schriftzeichen Nachrichten. Wiener Geruch(t), Das Geru?cht um den Geruch des Heimatbegriffs von Wien: Verwendung von Zitaten aus der Wahlwerbung in Wien sowie Geru?che, die einer Studie zugrundeliegend als typisch „Wiener Geru?che“ bezeichnet wurden. AUSSTELLUNGSGEGENSTÄNDE: OBJEKTE, GERÜCHE 1. OBJEKTE: (3-4 je ca. 30x30x30cm) Dreidimensionale Objekte mit Wahlwerbeplakatdetails zum Thema Heimat. In einem Objekt verborgen befinden sich Kuben, die Geruch ausstrahlen. Die Besucher/innen der Ausstellung nehmen die Geru?che sehr dezent, „an der Schwelle des Bewusstseins“ wahr. Geru?che wirken direkt auf das limbische System. Durch das Zusammenwirken der Du?fte entstehen auch „Gemische“ und „Schranken“ in der Wahrnehmung. Man meint einen Geruch zu erkennen, genauso wie man meint den Hintergrund eines Geru?chtes zu kennen. Beides kann jedoch von der tatsächlichen Note abweichen. Hinter den Interpretationen finden sich auch Vorurteile und Klischees, die nicht hinterfragt werden. Was ist tatsächlich Wiener Identität? Welcher der originäre identitätsstiftende Wiener Geruch? In den Kuben befinden sich Duftdispensoren, die bewusst versteckt, aber gesteuert agieren. Nationalismus und nationale Identität sind zusammenhängende Konzepte die innerhalb der europäischen Union zu brennenden Debatten fu?hren. Fu?r Anderson ist Nationalität und nation-ness ein kulturelles Artefakt einer vorgestellten politischen Gemeinschaft, die ein Ergebnis der technologischen und ökonomischen Veränderungen kapitalistischer Sozietäten ist.5 2. GERÜCHE: (geplant in Zusammenarbeit mit der Firma profumo verde/Graz) Die Auswahl der Geru?che erflogt nach einem Forschungsergebnis der Einreicherin.6 (Interviews mit Landschaftsarchitekt/innen in Wien und Studierenden der Universität fu?r angewandte Kunst.) -Flieder -Rosskastanie –Tulpe –Kebab -Wu?rstlstand Flieder, als einer der typischsten Wiener Geru?che bezeichnet ... ist ein Migrant aus der Tu?rkei: Der österreichische Blumenmaler Moritz Michael Daffinger dokumentierte im 19. Jahrhundert auch die heimische Flora, wobei sich Migrant/innen wie die Elsbeere, Robinie, der Götterbaum, der Flieder und die Rosskastanie finden, die aus anderen Gebieten stammen. Nicht nur Interesse sondern auch Hoffnung die Wirtschaft anzukurbeln brachte Exoten nach Wien: Im Mittelalter gab es sogar eine Safranproduktion und als Maria Theresia die Seidenweberei einfu?hren wollte, wurden Maulbeerbäume gepflanzt, die dann die Kulturlandschaft prägten. Der sehr stark mit Wien assoziierte Flieder und die Roßkastanie wurden eigentlich aus der Tu?rkei importiert.7 (Der österreichische Gesandte in Konstantinopel Augier Ghislain de Busbecq brachte exotische Pflanzen nach Wien wie die Tulpe, andere Zwiebelgewächse und den Flieder, den die Wiener/innen „Tu?rkischen Holler“ nannten.8 Zitate: 1: Forschungsteam: Haptic & Olfactory Design/Resources for Viennese Creative Industries. (WWTF) 2. DUDEN: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Bd. 7. Mannheim, Wien, Zu?rich. 1989. S-234 3. DUDEN: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Bd. 7. Mannheim, Wien, Zu?rich. 1989. S-234 4. Aufzeichnungen der chinesischen Studentin Feng Lei 5. Anderson, B. Imagined Communities. London 19912 S. 6 6. siehe Tabelle unten (Ruth Mateus-Berr, James Skone: Sinnliche Freiräume in Wien. 2009 (Forschungsprojekt WWTF, wird 2010 publiziert.) 7. Auböck; M., Ruland G. Paradiesträume. Parks, Gärten und Landschaften in Wien. Wien 1999. S. 10 ff 8. Auböck; M., Ruland G. Paradiesträume. Parks, Gärten und Landschaften in Wien. Wien 1999. S. 25 ff TABELLE: 6 Quelle: Ruth Mateus-Berr, James Skone: Sinnliche Freiräume in Wien. 2009 (Forschungsprojekt WWTF, wird 2010 publiziert.)
Künstler*innen
Ruth Mateus-Berr
Datum, Eröffnung und Ort
Datum
2009-10-08 – 2009-10-15
Ort
Wien (Österreich)
Ortsbeschreibung
MUSA Museum auf Abruf
URL