Künstlerische Forschung


Weitere Informationen zu Projekten künstlerischer Forschung im Rahmen des PEEK-Programms des FWF finden Sie in der Projektübersicht:
Projekte künstlerischer Forschung


Outer Woman

Projektleiterin: Cordula Daus
Zentrum Fokus Forschung
Austrian Science Fund (FWF): V 797 Richter Programm (inkl. Richter-PEEK)
Wir alle sind von einer Frau geboren worden. Was wäre, wenn diese grundlegende biologische Tatsache in Frage gestellt würde? Das künstlerische Forschungsprojekt Outer Woman untersucht die Idee einer Schöpfung und Geburt aus einer künstlichen Gebärmutter.

Ektogenese (von griech. ecto = ,außer‘ und genesis = ,Entstehung‘) bezeichnet die Entwicklung eines Embryos in einer künstlichen Umgebung außerhalb des Mutterleibs. Outer Woman behauptet eine Welt, in der Ektogenese bereits Wirklichkeit ist. Ausgehend von dieser Prämisse, entwickelt das Projekt neue Modelle künstlerischer Forschung, die feministisches Denken, wissenschaftliche Methoden, performative Praxen und formexperimentelle Sprachkunst miteinander verbinden.

1970 entwirft Shulamith Firestone in ihrem Bestseller The Dialectic of Sex eine positive Vision neuer Lebens- und Liebesformen. Die technischen Voraussetzungen für eine feministische Revolution, so die Autorin, seien erreicht, um die Klasse der Frauen aus ihrer biologisch bedingten Unterdrückung zu befreien. Dreh- und Angelpunkt von Firestones Utopie ist die Abschaffung der natürlichen Geburt.

Mit ihrem Projekt Outer Woman nimmt die Schriftstellerin und Künstlerin Cordula Daus die Spuren von Firestone und anderen AutorInnen auf, um den aktuellen Stand der Reproduktionsmedizin zu erkunden und alternative Fortpflanzungs- und Austragungsszenarien jenseits der Mutter zu erproben. Im Verlauf des Projekts wird sie ein kollaboratives Script für einen künstlichen Uterus entwickeln. Eine neue Frau wird erschaffen werden: Dee. Sie ist die erste ihrer Art, eine outer woman.

Das Projekt folgt dabei einer Reihe künstlerischer und wissenschaftlicher Setzungen. Cordula Daus entwirft Szenen und Figuren, die in Feldforschungen und Workshops überprüft und weiter bearbeitet werden. Die Geschichte der Dee entsteht im Austausch mit ReproduktionsmedizinerInnen, Hebammen, PhilosophInnen, BioethikerInnen, ChoreographInnen, PerformerInnen und KünstlerInnen. Gemeinsam bilden sie ein geburtshelferisches Team, das nicht nur Materialien liefert, sondern neue Methoden für künstlerisches Forschen und Schreiben ersinnt.

Ektogenese ist bereits Untersuchungsgegenstand aktueller wissenschaftlicher Forschung – ganz unabhängig vom Bereich spekulativer Fiktion. Dee scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Ziel des Projekts Outer Woman ist die Entwicklung einer Kunstfigur im Rahmen eines semifiktionalen Schöpfungsberichts. Der künstliche Uterus wird zu einer Bühne. Dort begegnen wir Dee. Sie hebt an zu einem Monolog. Was wird sie uns zu sagen haben?