Künstlerische Forschung


Weitere Informationen zu Projekten künstlerischer Forschung im Rahmen des PEEK-Programms des FWF finden Sie in der Projektübersicht:
Projekte künstlerischer Forschung


Co-corporeality_responsive spaces in the era of Biomediality

Projektleiterin: Barbara Imhof, Daniela Mitterberger, Tiziano Derme
Abteilung: Institut für Architektur
Projektpartner: Universität Wien, Fakultät für Chemie; Österreichische Studiengesellschaft f. Kybernetik (ÖSGK), Österreichisches Forschungsinstitut für Artificial Intelligence
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Die künstlerische Forschungsarbeit Co-corporeality setzt sich kritisch mit dem Missverständnis der gebauten Umwelt als „passiver, toter Materie" auseinander. Das Ziel des Projekts, mit Fokus auf biologischen Materialien und nonverbaler Kommunikation, ist das Ermöglichen einer Interaktion zwischen Mensch und ‚Lebendmaterie‘, um dadurch eine reaktionsfähige Umgebung zu schaffen. Diese biologische ‚performative Architektur‘ reagiert auf die Anwesenheit und das Verhalten des Menschens durch Bewegungen, Wachstum, Verfall und Interaktion. Die wissenschaftliche Grundlage von Co-corporeality umfasst systematische und spekulative Zugänge aus verschiedensten Bereichen der Materialstudien, Kognitivwissenschaften und performativen Architektur. Das Projekt erschließt sich von drei Zugängen: Erstens soll eine Reihe reaktionsfähiger Bio-Materialien erzeugt werden, welche sowohl ihr unmittelbares Umfeld wahrnehmen, als auch mit Menschen interagieren können. Zweitens sollen Kommunikationsschnittstellen entworfen werden, welche auf nonverbale Kommunikation reagieren, wie z.B. Berührung, Bewegungsabläufe, menschliche Präsenz und Augenkontakt, und Reaktionen und Veränderung am Material hervorrufen. Das Projekt entwickelt dafür eine verhaltensbezogene Benutzeroberfläche, um eine Interaktion zwischen den zwei biologischen Systemen zu ermöglichen. Drittens soll, durch die Konstruktion großmaßstäblicher Proto-Architekturen, eine baubezogene Spekulation praktisch erforscht werden. Anhand seiner Methodik will Co-corporeality neue ästhetische und technologische Zugänge etablieren, die sich aus der notwendigen Infragestellung geläufiger baulicher Materialsysteme kontemporärer Architektur ergeben. Die Notwendigkeit hierzu ergibt sich aus Fragen zu Neuformulierungen der Termini ‚Natur‘ und ‚Ökologie‘, aufgeworfen durch wissenschaftliche Disziplinen wie synthetischer Biologie, Gentechnik und Klonierung. Im Gegensatz zu konventionellen Materialsystemen sind lebende Bio-Materialien, wie biologische Polymere, ausgesprochen nachhaltig, wandlungsfähig und besitzen die Möglichkeit auf bestimmte Reize und Bedürfnisse programmiert zu werden. Sie sind somit der optimale Ausgangspunkt, um unsere Beziehung zur gebauten Umgebung neu zu entdecken und zu hinterfragen und Architektur als „biologische Entität“ neu zu definieren. Das Projekt folgt hierbei einer multidisziplinären Strategie, welche verschiedene Sparten und Institutionen, sowie die Angewandte Wien (Barbara Imhof, Daniela Mitterberger, Tiziano Derme, et al.), die Universität Wien, Department of Material Chemistry (Alexander Bismarck, Andreas Mautner, et al.) und das Institut für künstliche Intelligenz -OFAI (Robert Trappl, et al.) vereint, um so ein umfassendes Projekt zu kreieren.