Künstlerische Forschung


Weitere Informationen zu Projekten künstlerischer Forschung im Rahmen des PEEK-Programms des FWF finden Sie in der Projektübersicht:
Projekte künstlerischer Forschung


Begehbare Erzählungen als erfahrbare Zukunft

Projektleiterin: Anab Jain
Abteilung: Institut für Design
Eine der dringlichsten Fragen unserer Zeit ist wohl: “Wie sollen wir künftig leben?” Zweifelsfrei eine komplexe Frage, die sich mit einfachen Antworten nicht zufrieden gibt. Wodurch sie sich aber ideal dafür eignet, mit den durch die Künste gebotenen Spielarten durchleuchtet zu werden. Im Rahmen künstlerischer Forschung ist Raum für das kombinatorische Denken von Utopie und Dystopie sowie die Vorstellung unterschiedlicher Varianten von Zukunft. Wir erschaffen begehbare Erzählungen in realen Umgebungen, die auf Ideen von spekulativen Zukunftsszenarien basieren. Der Forschungsdrang eines Publikums wird dabei vor allem über die Haptik, die mediale Inszenierung und die detailgetreue, inhaltlich vielschichtige Aufbereitung stimuliert. Curiouser and Curiouser, cried Alice (CCA) baut auf die im Kontext begehbarer Erzählungen gesammelten Erkenntnisse auf und will mit den Mitteln künstlerischer Forschung bewusstseinsschärfende und sensibilitätsstiftende Vertiefungen über die Beschaffenheiten einer zukünftigen Welt, in der wir leben können und wollen, anregen. Durch kooperative und partizipative Gestaltungsprozesse zur Entwicklung möglicher und wünschenswerter Zukünfte wird die Öffentlichkeit motiviert, sowohl individuelle als auch kollektive Ideen von Zukunft zu verhandeln. Um potentielle Zukünfte aus nächster Nähe sinnlich zu erfahren und zu erforschen, bitten wir zum neugierigen Flanieren in eigens konstruierten und inszenierten Umgebungen. Durch die Schaffung und Zugänglichkeit immersiver Erlebnisse ermutigen wir die BesucherInnen, spekulative Zukunftswelten ebenso zu erkunden wie mögliche, plausible, wahrscheinliche und wünschenswerte Verhaltensweisen individuellen Seins. In diesem Kontext erachten wir speziell Museen als geeignete Präsentationsplattformen; als anregende, erforschbare Orte und Initiatoren eines offenen Geistes. “Die eine Zukunft” ist häufig kolossal, einschüchternd und furchteinflößend, macht Angst. CCA will dem entgegenwirken, will Lust und Neugierde auf Zukunft schaffen und entfachen. Indem es sich darauf konzentriert vielfältige, formbare und verlockende Zukünfte, die vorstellbar und konkret sind, zu zeichnen. Sie, die Zukünfte, werden kollaborativ gedacht, skizziert, implementiert und präsentiert. Erlauben das “laut über die Zukunft nachdenken” und das in öffentlichen Experimenten und immersiven Umgebungen verloren gehen. Die Schaffung plausibler Zukünfte verlangt nach Balance zwischen positiven und negativen Entwicklungen und Trends. Als Symbolfigur des Projektes kann daher Janus, doppelgesichtiger Gott der Türen und Tore, des Anfangs und des Endes, zur Hälfte optimistische Pollyanna und zur anderen Schwarzseherin Cassandra, erachtet werden. Im Zuge von CCA sollen schließlich nicht alleinig mögliche Zukünfte erforscht werden, sondern vor allem wünschenswerte. Janus behält das Optimistische und das Pessimistische, das Utopische und das Dystopische im Auge und in Balance – diese Spannung ist es, die neue, geistreiche Anregungen und Ideen für eine Welt von morgen hervorbringt.