Künstlerische Forschung


Weitere Informationen zu Projekten künstlerischer Forschung im Rahmen des PEEK-Programms des FWF finden Sie in der Projektübersicht:
Projekte künstlerischer Forschung


Tanzen mit dem Anderen: Eine Ästhetik der Begegnung

Projektleiterin: Petra Gemeinböck
Abteilung: Medientheorie
Roboter werden in unserem Alltag bald allgegenwärtig sein—am Arbeitsplatz und Zuhause; im Krankenhaus, in der Altenpflege und in der Schule. Es wird uns versprochen, dass sie unsere Fahrer, Kuriere, Rezeptionisten, Manager, Soldaten, Lehrer, Ärzte, Pfleger, Therapeuten und Liebhaber sein werden. Die Art und Weise, wie wir uns Roboter und unsere Beziehungen zu ihnen vorstellen, ist jedoch von einer begrenzten Anzahl von Annahmen—und Erfahrungen—bestimmt. Das Design von Robotern wird derzeit als eine nahezu rein technische Aufgabe verstanden. In Hinblick auf eine Zukunft, in der wir mit Robotern leben, gestalten Robotiker nicht nur Maschinen, sondern auch unsere zukünftige Gesellschaft wesentlich mit. Dies ist am Design ,sozialer Roboter’ am offensichtlichsten wahrnehmbar, die allzu oft eine liebliche, geschlechtsstereotypische oder menschenähnliche Form annehmen, um uns emotional zu berühren. Das Projekt Tanzen mit dem Anderen erforscht die affektiven Schnittstellen nicht menschenähnlicher Roboter. Ziel ist es mit diesem neuen künstlerisch-ästhetischen Ansatz unsere Erfahrungen und Vorstellungen zu erweitern und neue Sichtweisen zu eröffnen.

Die Hypothese dieses Forschungsprojektes ist, dass die Bewegung eine zentralere Rolle im Gestalten von Beziehungen spielt, als das reine Erscheinen. Soziale Handlungsmöglichkeiten entstehen dynamisch in der Begegnung und sind nicht vorgegeben. Vielmehr materialisiert sich der Möglichkeitsspielraum in der Interaktion. Diese Sichtweise setzt den Fokus auf Performativität anstatt auf Repräsentation und stellt somit die Annahme in Frage, dass Roboter vertraute menschenähnliche oder tierähnliche Formen benötigen, um affektive soziale Akteure sein zu können. 

Tanzen mit dem Anderen wird ein Team von Experten aus den Bereichen der Kreativen Robotik und Choreographie zusammenbringen, um einen neuen künstlerisch-wissenschaftlichen Ansatz für das Erfahren und Gestalten von Begegnungen zwischen dem Menschlichem und dem Anderen zu entwickeln. Der Ansatz erforscht das ästhetische und soziale Potential von Bewegung und Wahrnehmung in Mensch-Maschine-Beziehungen. Mittels eines technisch erweiterten Kostümes werden TänzerInnen die körperlichen Eigenschaften eines nicht-menschenähnlichen Roboters und seiner Wahrnehmungswelt vermittelt. Ziel ist es, den TänzerInnen zu ermöglichen, eine Bewegungssprache für Roboter zu entwickeln, die das Entstehen von ästhetischen, emotionalen Verbindungen unterstützt, ohne die Roboter vermenschlichen zu müssen. Das Projekt integriert diese ,mapping’ Methode in eine experimentelle choreographische Praxis, die die Performance von Mensch-Maschine Annäherungen ästhetisch erweitern wird, indem sie starre Subjekt-Objekt-Grenzen elastisch macht.

Dieses Projekt stellt das Design von Robotern und die Art und Weise, in der sie in unser soziales Gefüge integriert werden können, neu vor. Ein wichtiger Aspekt ist deshalb, die Einbeziehung von Öffentlichkeit und die Förderung des Interesses an diesem relevanten soziokulturellen Thema. Workshops, ein Symposium, und eine Performance mit TänzerInnen und Robotern werden die Forschungsergebnisse erfahrbar und interagierbar machen. Angesichts des Versprechens, dass Roboter jeden Aspekt unseres täglichen Lebens beeinflussen werden, kann ein erweitertes Verständnis der Beziehung Mensch-Roboter nicht überschätzt werden.