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Kulturgeschichte des Blicks

2012S / Proseminar / S51032 / 2 SemStd.

Ort und Zeit

Seminarraum Kultur- und Geistesgeschichte (Franz-Josefs-Kai 5/9, 1010 Wien)

Do, 15-18 Uhr: 15.3., 22.3., 26.4., 3.5., 10.5., 24.5., 14.6.2012

Prüfungsmodalitäten

Prüfungsimmanente Lehrveranstaltung + schriftliche Abschlussarbeit in Gruppen:

 

Im Seminar werden u.a.Aufgaben für Kleingruppenarbeit gestellt. Die Ergebnisse der Kleingruppen werden wieder ins Plenum eingebracht, je nach Thematik und Fragestellungen und TeilnehmerInnenzahl von zwei bis drei Gruppen/deren VertreterInnen quasi als Vortrag mit Diskussion – die restlichen Gruppen haben dann die Möglichkeit, mir ihre Ergebnisse schriftlich/per mail abzugeben – oder als Diskussion zwischen den Gruppen.

 

Sinnbildender Teil jeder Gruppenarbeit (auch der Abschlussarbeit) sind auch die Prozesse unter den Gruppenmitgliedern, jedenfalls hinblicklich Meinungsfindung, Kommunikations- und Präsentationsformen. Die schriftlichen Arbeiten erfolgen in Gruppen, wo es u. a. auch darum geht, die Meinungsfindung innerhalb der Gruppe darzustellen, zu hinterfragen und theoretisch zu untermauern.

 

Ich erwarte 2/3-Anwesenheit, mehr Fehlstunden können nach Absprache durch „Kompensationsarbeiten“ zu den „versäumten“ Themenkreisen ausgeglichen werden.




Themenstellung der Lehrveranstaltung

Ausgehend von Beispielen aus Alltagsästhetik, Kunst, Medien und Lebenszusammenhängen der Massenkultur werden Phänomene, Theorien und Methoden der Kunst- und Kulturgeschichte, der Soziologie, der Ethnologie sowie der Literatur-, Film- und Medienwissenschaft exemplarisch diskutiert.

 

Die Studierenden sollen Einblicke und Basiswissen in verschiedene (oben erwähnte) theoretische und methodologische Zusammenhange bezüglich der Repräsentation und Konstruktion von Geschlecht und Differenz im Rahmen der Alltagsästhetik erhalten, deren sozio-historische Konstruiertheit erfassen, diese mit ihren eigenen Alltagserfahrungen in Zusammenhang bringen und beides hinsichtlich der Wirkungsweise und Wirkungsmacht binärer Geschlechterbilde kritisch hinterfragen. Die Wahrnehmungs- und Kommunikationsvorgänge innerhalb der Lehrveranstaltung dienen ebenfalls als Diskussionsmaterial.

 

Das Proseminar ist in größere inhaltliche Blöcke gegliedert, die von historischen Perspektivemodellen und allgemeineren Aspekten in der Bildenden Kunst und Architektur über speziellere Punkte wie optische Täuschungsmanöver quer durch Kulturgeschichte und Alltagsästhetik und dem eurozentrischen Blick sowie Einblicke in außereuropäische Visualisierungsformen zu grundsätzlichen Fragenstellungen wie der nach dem gerichteten Blick in der hierarchisch strukturierten Gesellschaft, der Möglichkeit weiblicher Perspektiven in eben dieser Gesellschaft bis hin zum Veränderungspotenzial der Digitalisierung in Hinblick auf ein mögliches neues „produktives Schauen“ führt.

 

Viele praktische Beispiele dienen dazu, die zeichenhafte Bedeutung verschiedenster Bildelemente in diversen Kulturkreisen und Kulturebenen zu diskutieren. Denn durch die Dominanz der (audio)visuellen Medien in unserem Alltag sinkt zwar die Lesefähigkeit, die Fähigkeit Bilder zu dechiffrieren hingegen steigt  allerdings nicht ohne dass die RezipientInnen durch die eingeschriebenen ideologischen Hintergründe entsprechend konstruiert werden. Die in hohem Maße fragmentierten Elemente, die sich intendiert mit allen möglichen (und unmöglichen?) anderen mischen, aktivieren die RezipientInnen zu höchsten visuellen Dechiffrierleistungen. Hier kommt zusätzlich der nach männlichen Strukturen medial konstruierte gerichtete Blick ins Spiel, der auch weiblichen ZuschauerInnen im Rahmen der Textproduktion geläufig werden muss(te).

In diesen Zusammenhängen wird der erweiterte Textbegriff, wie er aus der Literaturwissenschaft für die Cultural Studies und die feministischen Medienwissenschaften adaptiert wurde, verwendet. Grundthema sind die sogenannten automatischen, durch die männlich dominierte Gesellschaft generierten Übereinkünfte, auf die man sich bei der Codierung von Inhalten bezieht. Dabei gehe ich besonders auf die historisch bedingten aktuellen Änderungen im gesamtkulturellen Kontext ein.

In all diesen restriktiven Strukturen findet sich trotzdem für weite Bevölkerungskreise die Möglichkeit Bedeutungen zu verhandeln. So könnten (audio)visuelle Texte auch widerständisch ‚gelesen’ werden. Ein großer Stellenwert kommt in der massenmedialen Textproduktion dem Vergnügen zu. Denn mit John Fiske kann festgestellt werden, dass „Leute keine Tätigkeit – ob politisch oder gesellschaftlich oder sonst eine – ausführen, die nicht einen Moment der Lust beinhaltet.“ Und diese Lust (pleasure) sei „als eine als eine Motivation zu verstehen, die zu einem progressiven oder zumindest konfliktbereiten Verständnis der sozialen Ordnung führt (Müller 1993: 9f).

 

Studienplanzuordnungen

 

 

 

Universität für angewandte Kunst Wien
Oskar Kokoschka-Platz 2
A-1010 Wien
T: +43-1-71133-0
E: pr@uni-ak.ac.at

 

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